Münster präsentiert sich gern als Friedensstadt

Münster präsentiert sich gern als Friedensstadt

Geschichte

2018 jährt sich der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges zum 400. Mal. In Münster und Osnabrück wurde 1648 der verheerende europäische Konflikt beendet. Münster pflegt das Image als Friedensstadt - auch beim Katholikentag. Unter dem Motto "Suche Frieden" befasst sich das Christentreffen aber auch mit weiteren Konflikten und Friedensschlüssen: etwa dem Frieden im kolumbianischen Bürgerkrieg, dem andauernden, in seiner Kompliziertheit an den Dreißigjährigen Krieg erinnernden Konflikt in Syrien und dem Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. 

Münster wirbt für sich als "Stadt des Westfälischen Friedens" und als Friedensstadt. Das historische Münsteraner Rathaus trägt die Inschrift "Pax optima rerum" - "Frieden ist die beste Sache". Im 17. Jahrhundert mussten 37 ausländische und 111 deutsche Gesandten in der westfälischen Stadt  - und darüber hinaus in Osnabrück - ausharren, bis sie den "Westfälischen Frieden" ausgehandelt hatten und der Katastrophe des Dreißigjährigen Kriegs endlich ein Ende setzen konnten.

Der "Westfälische Friede" war ein Meilenstein. Es war der erste Kongress, auf dem alle großen europäischen Mächte vertreten waren. Wichtig ist Münster bis heute für die Niederländer. Denn am 15. Mai 1648 wurde im Krameramtshaus der Spanisch-Niederländische Teilfrieden, der Vrede van Munster, beschworen. Er beendete den Achtzigjährigen Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden und machte die Niederlande zu einem souveränen Staat. 1995 wurde das 1589 erbaute Haus zum "Haus der Niederlande", in dem wissenschaftliche Einrichtungen sich mit den deutsch-niederländischen Beziehungen befassen.

Am 24. Oktober 1648 folgte der Abschluss des Westfälischen Friedens im sogenannten Friedenssaal und in Osnabrück. Er stellte sicher, dass Katholiken, Lutheraner und Calvinisten sich erstmals als gleichberechtigt anerkannten. Die Westfälische Friedensordnung verhalf auch dem Prinzip der Gleichberechtigung und Souveränität der Staaten zur Durchsetzung. Von nun an gab es völkerrechtliche Grundsätze für die Rechtmäßigkeit von Kriegen und Friedensschlüssen.

Im Stadtbild von Münster gibt es heute mehrere Zeugnisse der Friedensverhandlungen. Vor allem das Rathaus selbst mit seinem vollständig erhaltenen Friedenssaal. 2015 zeichnete die EU-Kommission die Rathäuser in Münster und Osnabrück als "Stätten des Westfälischen Friedens" mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel aus.

Aus dem Jahr 1998, dem Jubiläumsjahr "350 Jahre Westfälischer Frieden", stammt ein weiteres Zeugnis der Verbundenheit Münsters mit den Niederlanden. Hinter dem Rathaus liegt im Pflaster eine Steinplatte mit der Aufschrift: "350 Jaar Vrede van Munster. Boodschap voor de Toekomst" (Botschaft für die Zukunft). Unter der Platte befindet sich eine Schriftrolle mit einer Friedensbotschaft deutscher und niederländischer Jugendlicher.

Seit 1998 verleiht die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe alle zwei Jahre den "Preis des Westfälischen Friedens" - eine Auszeichnung, die Persönlichkeiten und Institutionen ehrt, die sich für Frieden und Dialog im Hinblick auf ein föderales Europa einsetzen.

Außerdem organisiert die Stadt Münster seit 2008 rund um den 24. Oktober - dem Datum des Westfälischen Friedens - die "Dialoge zum Frieden": Diskussionsrunden, Podiumsgespräche, kulturelle Veranstaltungen. Daneben gibt es das "Münsteraner Friedensmahl": Gemeinsam laden Friedensgruppen, der Integrationsrat sowie die evangelische und die katholische Kirche ein, um Menschen unterschiedlicher sozialer, kultureller und religiöser Herkunft an einem Tisch zusammenzuführen.

Am Ruf der Friedensstadt ändern auch die vielen Kriminalfälle nichts, die Kommissar Thiel und Professor Boerne im ARD-"Tatort" und Detektiv Georg Wilsberg im ZDF lösen. Auch die Amokfahrt vom 7. April bestätigte eher den Ruf Münsters als friedensliebende Stadt. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet würdigte die Besonnenheit und Solidarität der Bürger.

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