Zur Person: Felix Genn - der Bischof von Münster

Zur Person: Felix Genn - der Bischof von Münster

Kirche/Leute

"Als Christ bin ich nicht einfach Kunde eines amtlichen Geschehens, sondern selber für andere ein Zeichen.“ Münsters katholischer Bischof Felix Genn hat ganz klare Grundsätze, wenn es um die Zukunft seines Bistums geht. "Ich wünsche mir lebendige Gemeinden, die mitwirken und nicht bloß bedient werden wollen. Die Mentalität der Versorgung steckt leider noch in so vielen Leuten drin."

Vielleicht ist der 101. Deutsche Katholikentag, der vom 9. bis 13. Mai in der Bistumsstadt Münster stattfindet, ein Teil des vom Bischof gewünschten missionarischen Aufbruchs. Gastgeber Genn steht seit dem 29. März 2009 an der Spitze der zweitgrößten deutschen Diözese mit ihren knapp zwei Millionen Katholiken. Zuvor war er seit 1999 Weihbischof im Mosel-Saar-Ruwer-Bistum Trier und anschließend ab 2003 Bischof des Ruhrbistums Essen.

Junge Menschen im christlichen Glauben zu bestärken, ist Genn ein großes Anliegen: Mehr als zwei Jahrzehnte war er auch in der Priesterausbildung tätig . Nach seiner Promotion zum Dr. theol. mit einer Arbeit über den heiligen Augustinus wurde er 1985 Spiritual und war damit für die geistliche Begleitung und Ausbildung der Priesteramtskandidaten zuständig. Diese Tätigkeit hat ihn ganz entscheidend geprägt. Von 1994 bis 1997 nahm Genn einen Lehrauftrag für Christliche Spiritualität an der Theologischen Fakultät Trier wahr. 1997 übernahm er die Leitung des Studienhauses St. Lambert in Lantershofen, einem Seminar für spätberufene Priesteramtskandidaten.

Der Wein ist bei Genn mitunter Bestandteil der Glaubenslehre. "Junger Glaube darf ruhig Säure haben", sagt er. Im höheren Alter sei der Glaube dann abgerundet wie ein über die Jahre ausgereifter Wein. Solche bildhaften Gedankenstränge sind typisch für den Theologen, der den Priesterzweig der von Hans Urs von Balthasar gegründeten Johannesgemeinschaft leitet. 

Aufgefallen ist Genn nicht zuletzt im Vatikan. Der Papst hat dem Geistlichen, der nahe der Eifel-Abtei Maria Laach aufwuchs, eine Schlüsselposition übertragen: Als Mitglied der bedeutenden Bischofskongregation im Vatikan bereitet er seit 2013 Ernennungen von Oberhirten in der ganzen Welt vor.  Dass Genn in Rom eine wichtige Rolle spielt, zeigt sich auch daran, dass er schnell als einer der Teilnehmer des Gesprächs feststand, das sechs deutsche Bischöfe  am vergangenen Donnerstag im Vatikan führten, um die Frage zu klären, ob nichtkatholische Ehepartner in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden können.  Genn hatte sich im Vorfeld vermittelnd geäußert. 

Seine geistliche Ausrichtung und das Bemühen, schwierige theologische Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen, kennzeichnen seine Predigten. Gesellschaftspolitische Bezüge treten da eher in den Hintergrund. Dennoch mischt Genn sich in gesellschaftliche Debatten ein: So wandte er sich in einer Behinderteneinrichtung gegen eine "Romantik der Inklusion". Genn warnte auch vor aktiver Sterbehilfe, einer restriktiven Flüchtlingspolitik oder wachsenden sozialen Unterschieden. "Dann wächst der gesellschaftliche Spaltpilz."

Bei Reizthemen wie Zölibat und Frauenpriestertum verteidigt Genn geltende Lehre und Kirchendisziplin. Veränderungen sieht er skeptisch. "Es ist doch ein Irrtum zu glauben, dass Glaube und Kirche einen Sprung nach vorne machen, wenn diese Forderungen umgesetzt würden." Andererseits denkt er intensiv über andere Formen der Gemeindeleitung nach. In Münster mit seiner sehr lebendigen theologischen Fakultät wäre anderes auch schwer vorstellbar.

"Vom Kirchenrecht her hat die Letztverantwortung für eine Pfarrei immer ein Priester; in einer Gemeinde können dagegen Laien die Verantwortung haben", sagte er kürzlich.  "Faktisch wird es in manchen Bereichen eine Letztverantwortung von Laien geben."

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