Glaubenszeugen im Bistum Münster: Edith Stein

Glaubenszeugen im Bistum Münster: Edith Stein

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Sie lebte zwar nur wenig mehr als ein Jahr in Münster. Doch hat die in Auschwitz ermordete Jüdin und 1998 heiliggesprochene Nonne Edith Stein in der Bischofsstadt große Spuren hinterlassen.

Von Februar 1932 bis Juli 1933 lebte Stein in Münster. Hier wirkte sie als Dozentin am "Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik“. Zugleich entschied die Philosophin und Pädagogin hier auch über ihren Eintritt in den kontemplativen Orden der Karmelitinnen.

Edith Stein erlebte in der Universitätsstadt den Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft über Deutschland; hier erfuhr sie als Jüdin den Rassenwahn am eigenen Leibe. Von Münster aus machte sie Papst Pius XI. bereits Anfang April 1933 auf die gefährliche Entwicklung im damaligen Deutschland aufmerksam und forderte ihn zum Einschreiten auf.

Stein wurde am 12. Oktober 1891 in Breslau als Kind einer jüdisch-orthodoxen Familie geboren.  Als Jugendliche distanzierte sie sich immer mehr vom Glauben an Gott: "Ich habe mir das Beten ganz bewusst und aus freien Entschlüssen abgewöhnt", erzählte sie im Rückblick auf einen längeren Aufenthalt bei ihrer Schwester in Hamburg.

Nach ihrem Abitur 1911 begann sie in Breslau Literatur, Geschichte und Psychologie zu studieren. Schon bald wandte sie sich der Philosophie zu. Dabei faszinierte sie die Philosophie Edmund Husserls so sehr, dass sie den Studienort wechselte und nach Göttingen ging, um bei ihm zu studieren.

Als ihr Doktorvater betreute er ihre Promotion, und sie begleitete ihn schließlich als Assistentin an die Universität Freiburg. Jedoch blieb ihr eine weitere wissenschaftliche Karriere verwehrt: Trotz ausgezeichneter Doktorarbeit wurde ihr als Frau eine Habilitation nicht gestattet. 1918 gab sie ihre Stelle bei Husserl auf.

Bei Freunden stieß sie zufällig auf die Autobiografie von Theresa von Avila: "Ich begann zu lesen, war sofort gefangen und hörte nicht mehr auf bis zum Ende." Diese Lektüre und verschiedene persönliche Begegnungen bewegten Edith Stein schließlich, zum Katholizismus zu konvertieren. Am 1. Januar 1922 ließ sie sich taufen. 

Eine Zeit lang arbeitete Edith Stein als Lehrerin in Speyer. Bereits seit ihrer Schulzeit war sie engagiert für Frauenrechte, in den zwanziger Jahren galt sie als gefragte Rednerin über Themen der Frauenfrage. Im Frühjahr 1932 erhielt sie einen Ruf an das Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster. Jedoch konnte sie nur ein Jahr dort lehren: Unter dem Nationalsozialismus durfte sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ihren Beruf nicht mehr ausüben. Edith Stein trat in den Karmel Köln-Lindenthal ein und nahm im Gedenken an Theresa von Avila den Ordensnamen "Teresia Benedicta a Cruce" an.

Bald schon musste sie jedoch Deutschland verlassen; sie emigrierte gemeinsam mit ihrer Schwester Rosa nach Echt in Holland. Am 2. August 1942 wurde sie von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Am 9. August 1942 wurde sie in der Gaskammer ermordet.

Am 10. Mai 1987 wurde Edith Stein  als erste Katholikin jüdischer Abstammung in der Kirchengeschichte  selig gesprochen, die Heiligsprechung folgte am 9. Oktober 1998 in Rom. Aus ihrem Testament geht klar hervor, dass sie ihren Tod als Hingabe für das jüdische und das deutsche Volk, für Synagoge und Kirche, verstand. 

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