Der Katholikentag und die AfD

Programmheft S.103

Programmheft S.103

Der Katholikentag und die AfD

Katholikentag/Parteien/AfD

Der Katholikentag und die AfD

Der Streit war absehbar. Beim Thema AfD wussten die Veranstalter des 101. Katholikentags in Münster, dass sie in der Kritik stehen würden – so oder so.

Fest steht: Am 12. Mai soll der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, beim Thema: "Nun sag', wie hast du's mit der Religion?" mit den kirchenpolitischen Sprechern der übrigen Bundestagsfraktionen auf dem Podium sitzen. Beim Leipziger Katholikentag vor zwei Jahren hatte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Veranstalter eine AfD-Beteiligung noch ausgeschlossen.

Doch diesmal ist die Sachlage eine andere: Die AfD sitzt mittlerweile im Bundestag und für das ZdK steht fest, "dass es eine demokratische Notwendigkeit ist, alle im Bundestag vertretenen Positionen, auch die der AfD", zur Diskussion zu stellen. Es sei "höchste Zeit" in eine "neue Phase der politischen Auseinandersetzung mit populistischen Strömungen" einzutreten, begründete der Veranstalter die Neuausrichtung.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg hängt die Beteiligung niedrig: "Beim Katholikentag 2016 erschien kein AfD-Vertreter – und es hagelte Protest, Christen dürften einen relevanten Teil der Bevölkerung nicht ausgrenzen. Diesmal erscheint einer von der AfD – und es hagelt wieder Protest", beschreibt er die Situation.

Die Rechtspopulisten würden beim Katholikentag keine große Rolle spielen. "Den Vertreter der ins Parlament gewählten AfD auszuladen, erschien uns unangemessen. Denn das böte der Partei nur die Chance, sich als Märtyrer zu inszenieren." Zugleich aber sei klar: "Wir verurteilen deutlich jede Art von Ausgrenzung, Fremden- und Islamfeindlichkeit."

Münsters Bischof Felix Genn sieht das ebenso. "Natürlich unterstütze und verstehe ich Forderungen nach einer sehr kritischen Haltung gegenüber der Partei", sagte Genn im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Aber: "Als Demokraten sollten wir doch einem einzigen AfD-Vertreter die Möglichkeit geben, hier mitzudiskutieren."

Auf dem Podium mit Münz diskutieren außerdem die religionspolitische Sprecherin der Linken, Christine Buchholz, sowie Karlheinz Busen (FDP), Kerstin Griese, Sprecherin des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD, Christian Hirte (CDU), Vorsitzender des Kardinal-Höffner-Kreises in der Unions-Bundestagsfraktion, und Bettina Jarasch, religionspolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus.

Münz, der Bezirkssynodaler der württembergischen evangelischen Landeskirche ist, hofft auf eine "sachorientierte Diskussion, etwa über die Grundlagen der Gesellschaft". Für ihn fußt die AfD "auf christlichen Werten". Dazu gehört für das Mitglied der "Christen in der AfD" auch die "Gottesebenbildlichkeit, aus der sich die Menschenwürde aller ableitet".

Nähe oder Distanz zu Kirche: Das ist bei der AfD innerparteilich umstritten. Für Parteichef Alexander Gauland ist die AfD "keine christliche Partei“. Bundesvorstandsmitglied Armin Paul Hampel rief gar zum Kirchenaustritt auf.

Die Kritik der Kirchen bringt eine Studie des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Wilhelms-Universität Münster auf den Punkt. Im AfD-Grundsatzprogramm werde ein "oberflächlich liberales Bild" durch "die nationalistische und völkische Grundierung" konterkariert. Die Partei vertrete eine "nationalistische Bevölkerungspolitik" mit dem Ziel einer ethnisch-kulturell homogenen Volksgruppe. Selbst der Lebensschutz steht dabei im Dienst der Bevölkerungspolitik.

Am deutlichsten manifestieren sich die Differenzen am Umgang mit der Flüchtlingsfrage: Für die AfD ein Katalysator für ihren Erfolg, für die Kirche - zumal unter dem Pontifikat von Papst Franziskus - der Ernstfall christlicher Nächstenliebe. Der Dissens betrifft weitere Bereiche: Vom Verständnis Europas als Wertegemeinschaft bis zur Religionsfreiheit, die die Kirchen auch für den Islam uneingeschränkt einfordern.

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