Zur Person Juan Manuel Santos

Großes Podium Frieden und Versöhnung | Programmheft, Seite 83

Großes Podium Frieden und Versöhnung | Programmheft, Seite 83

Zur Person Juan Manuel Santos

Regierungen/Kolumbien/Leute

Am Donnerstag tritt Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos als Protagonist für Versöhnung beim Katholikentag auf. Der geläuterte Paulus war früher ein Saulus und Hardliner.

Juan Manuel Santos Calderon (66) ist seit August 2010 Staatspräsident Kolumbiens. Für seinen Einsatz beim Friedensprozess in Kolumbien bekam er Ende 2016 den Friedensnobelpreis.

Santos gehört zu einer der einflussreichen Familie des Landes. Schon sein Großonkel Eduardo war Präsident Kolumbiens (1938-1942) und Inhaber der führenden Zeitung „El Tiempo“. Juans Vater war über 50 Jahre deren Herausgeber.

Santos wuchs in der Hauptstadt Bogota auf. Er studierte in den USA und in London Wirtschaftswissenschaften, Journalismus, Jura und Diplomatie. Er arbeitete in Leitungspositionen im Kaffeegeschäft, bei „El Tiempo“ sowie als Zeitungskolumnist. Seit den 90er Jahren hatte er diverse Ministerämter und Positionen in der internationalen Wirtschaftspolitik inne.

Als Verteidigungsminister unter Präsident Alvaro Uribe ging Santos seit 2006 massiv militärisch gegen die FARC-Rebellen vor und nahm dafür auch diplomatische Spannungen mit den Nachbarländern Ecuador und Venezuela sowie internationale Proteste wegen Menschenrechtsverletzungen in Kauf.

2009 kandidierte Santos selbst als Präsident und siegte 2010 in der Stichwahl gegen seinen grünen Herausforderer. Im Wahlkampf hatte er angekündigt, Uribes Politik der harten Hand gegen die FARC fortzusetzen. Im Amt schlug der frühere Hardliner dann aber mildere Töne an und verbesserte die diplomatischen Beziehungen zu den Nachbarn und vor allem zu den FARC-Rebellen.

Nach langen Verhandlungen unterzeichneten Santos und die FARC-Führung im September 2016 ein Friedensabkommen, das den seit 52 Jahre andauernden Bürgerkrieg im Land beenden soll. Rund 270.000 Menschen kamen in diesem Konflikt ums Leben; acht bis neun Millionen wurden zu Binnenflüchtlingen. 

Allerdings sprach sich eine hauchdünne Mehrheit der Kolumbianer per Volksabstimmung gegen den Vertrag aus. Anfang Oktober 2016 sprach das Nobel-Komitee Santos den Friedensnobelpreis zu. Der nachgebesserte Friedensvertrag wurde im November 2016 vom Parlament gebilligt und konnte so in Kraft treten.

Zurzeit laufen Bemühungen um einen Friedensprozess auch mit der zweitgrößten Rebellenorganisation des Landes, der marxistischen ELN. Diese gestalten sich allerdings schwierig und sind bislang von Rückschlägen geprägt.

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