100. Katholikentag in Leipzig ist zu Ende

100. Katholikentag in Leipzig ist zu Ende

Katholikentag/Gottesdienst/Abschluss

Der 100. Deutsche Katholikentag ist am Sonntag mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel zu Ende gegangen. Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich 25.000 Gläubige auf dem Augustusplatz in der Leipziger Innenstadt eingefunden. An der Messe vor der Kulisse der Universität nahmen auch alle fünf ostdeutschen katholischen Bischöfe, darunter der künftige Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers, teil.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, forderte in seiner Predigt eine Asyl- und Flüchtlingspolitik, die sich an den Menschenrechten orientiert. Für Christen gebe das Evangelium die Prinzipien vor, an denen nicht gerüttelt werden könne: Europa dürfe nicht zur Festung werden, an deren Grenze Tausende Menschen ertränken. "Niemand darf in Krieg und Verfolgung zurückgeschickt werden", sagte der Münchner Erzbischof. Jeder Flüchtling habe das Recht auf ein faires Asylverfahren und menschenwürdige Behandlung.

Marx rief die Katholiken auf, sich der Not der Menschen zuzuwenden. Die Kirche dürfe nicht um sich selber kreisen. "Wir wollen keine selbstverliebte, nur ihre eigene Identität suchende Kirche", fügte er hinzu. In Jesus Christus sei deutlich geworden, wie sehr Gott sich den Menschen zugewandt habe. Marx lobte in diesem Zusammenhang das Engagement der für die katholische Kirche in Deutschland typischen Laienbewegung. Insbesondere die 100 Katholikentage hätten dafür gesorgt, dass die Kirche die Lebenswirklichkeit der Menschen nicht aus dem Blick verliere.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, dankte den Leipzigern und besonders den Christen in Ostdeutschland für ihre Gastfreundschaft. "Ich sage euch hier im Osten: Respekt! Und Dank für euer Zeugnis!" Die Katholikentagsbesucher hätten erlebt, dass "Kirche auch anders geht: Nicht das Jammern über das Schrumpfen, sondern die Freude über das Wachsen".

Ohne die AfD zu nennen, wandte er sich erneut gegen "alle, die nicht Ängste nehmen, sondern sie schüren, die Misstrauen säen und ganze Gruppen oder Religionen herabwürdigen". Es gehe darum, Fremdes nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu erleben. "Wir wollen den Dialog auch und gerade mit Muslimen."

Sternberg plädierte auch für eine Stärkung Europas. "Wir sagen nein zu einem ausgrenzenden Nationalismus, der schon so viel Leid über die Welt gebracht hat. Lasst uns mit den Katholiken Europas seine Tugenden verteidigen: Offenheit und Dialogbereitschaft, Demokratie und die Fähigkeit, Fremdes anzuverwandeln in einer gerechten Sozialordnung und vor allem die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen als Ebenbild Gottes." In diesem Zusammenhang erinnerte er auch an die verfolgten Christen weltweit, die der Solidarität und des Gebets bedürften.

Mit Blick auf innerkirchliche Debatten sagte der ZdK-Präsident: "Wir bestärken den Papst in seinem Wunsch nach einer synodalen Kirche und wünschen uns den Diakonat der Frau."

Zum Abschluss luden Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 ein. Dieser findet vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg statt. Unter dem Motto "Du siehst mich" wird anlässlich des Jubiläums "500 Jahre Reformation" Rückschau gehalten, aber auch nach vorne geschaut, wie Aus der Au versicherte. Weil in Berlin die "ganze Welt" mit unterschiedlichen Konfessionen, Religion und Kulturen zu Hause sei, solle auch nach einem gemeinsamen Beitrag der Religionen zu einem friedlichen Zusammenleben gesucht werden, unterstrich Dröge. Weiter fügte er hinzu: "Unser Glaube ist eine Friedens- und Versöhnungskraft."

Zugleich lud Bischof Felix Genn zum 101. Katholikentag 2018 nach Münster ein. Die Stadt sei nicht nur bekannt für den beliebtesten Tatort am Sonntagabend, sondern jung, weltoffen. Dazu komme eine 1.200 jährige Geschichte, erinnerte der Bischof. Besonders der 1648 in Münster und Osnabrück geschlossene Westfälische Friede solle Ansporn und Auftrag zugleich sei, sich über alle Konfessionen hinweg für den Frieden einzusetzen. Genn rief die Menschen auf, gemeinsam ein Zeichen für Frieden und Menschenwürde zu setzen.

Der Leipziger Katholikentag, der vom 25. bis 29. Mai stattfand, stand unter dem Motto "Seht, da ist der Mensch". Gezählt wurden 34.000 Teilnehmer mit Dauerkarten sowie jeweils 6.000 Tagesgäste. 

baj/cas

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