Erzbischof Henryk Muszynski beklagt fehlende demokratische Mentalität in Polen

S. 222

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Erzbischof Henryk Muszynski beklagt fehlende demokratische Mentalität in Polen

Kirche/Polen

Der emeritierte Primas von Polen, Erzbischof Henryk Muszynski, hat am Samstag die fehlende Kommunikation zwischen der polnischen Regierung und der Opposition beklagt. "Es gibt keinen wahren Dialog", sagte Muszynski auf dem Leipziger Katholikentag. In der aktuellen Situation würden Vorbelastungen deutlich, die ihre Basis in der Geschichte haben. "Es gibt keine richtige demokratische Mentalität", stellte der emeritierte Erzbischof fest. Der Gedanke einer Kompromisssuche liege vielen Politikern fern. "Einige Politiker denken, die alleinige Wahrheit zu besitzen und wollen danach die Welt ausrichten", so Muszynski. Mit Blick auf europakritische und europafeindliche Tendenzen der gegenwärtigen Regierung Polens hielt der Geistliche fest, dass es immer noch einen sehr starken "europäischen Flügel" gebe.

Dem früheren Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Maier, bereitet die Entwicklung in Polen Sorge. "Wir wissen nicht, wohin das noch geht", stellte er fest. Er verurteilte die "Lahmlegung des Verfassungsgerichtes", auch dass beispielsweise Europa-Flaggen auf Weisung der aktuellen Ministerpräsidentin entfernt wurden, sei "verstörend". Es sei zu hoffen, dass sich Polen auch künftig nicht von seiner proeuropäischen Orientierung abwende. Gespannt dürfe man sein, welche Auswirkungen das anstehende EU-Rechtsstaatsverfahren haben werde. Eine Aufgabe Deutschlands sollte es sein, auf diplomatischen Wegen dazu beizutragen, einen Kompromiss zu finden, riet Maier.

hst/baj

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