Nigeria: Radikale Banden bringen Religion in Misskredit

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Nigeria: Radikale Banden bringen Religion in Misskredit

Nigeria/Gewalt

Als eine Menschen verachtende Gruppe, die ihr ursprüngliches Ziel aus den Augen verloren hat, hat der nigerianische Erzbischof Ignatius A. Kaigama die radikal-islamische Boko Haram charakterisiert. Bei einem Katholikentags-Podium des Päpstlichen Hilfswerks "Kirche in Not" schilderte er am Samstag, wie die Islamisten Christen und Muslime, die ihre Vorstellungen nicht teilen, bedrohen, töten und missbrauchen.

"Viele in Nigeria und auch ich hätten die heute stark im Verborgen lebenden und mordenden Mitglieder von Boko-Haram bewundert, wenn die Organisation ihre ursprünglichen Ziele bewährt hätte", betonte Kaigama, der auch Vorsitzender der Nigerianischen Bischofskonferenz ist. Vor Jahren hätten diese Islam-Gläubigen das Ziel gehabt, ihr Bekenntnis zum Islam weiterzugeben, soziale Missstände zu bekämpfen und für Gerechtigkeit zu kämpfen.

Der ägyptisch-stämmige, heute in Rom lebende Jesuit Samir Khalil Samir erklärte dazu, verschiedene Strömungen im Islam diskreditierten ihre Religion selbst. Boko Haram, die für 100.000 Binnen-Flüchtlinge, Videos mit Enthauptungen und auch Terror gegen liberale Muslime verantwortlich sei, berufe sich dabei auf ein autoritäres Bild des Islams mit Wurzeln im ersten Jahrhundert seiner Existenz.

Samir: "Es ist eine Lüge zu sagen: ,Islam bedeutet Salam´ - Frieden". Es sei ebenso falsch, Islam mit Krieg zu übersetzen. "Islam bedeutet Unterordnung unter Gott - und im Verständnis immer noch vieler Muslime auch unter einen bestimmenden Imam." In manchen Situationen hätten es radikale Muslime deshalb leicht, ihre Ideen zu verbreiten. Kaigama bescheinigte der neuen nigerianischen Regierung Engagement und erste kleine Erfolge in der Bekämpfung des Terrors.

Timo Güzelmansur, Geschäftsführer des christlich-islamischen Begegnungs- und Dokumentationszentrum CIBEDO, sprach sich dafür aus, liberale und friedliebende islamische Kräfte müssten weltweit gefördert werden. Er verwies auf die Erklärung von Marrakesch (2015) und die Marokko-Konferenz (2016). Dabei formulierten jeweils weit über 100 islamische Theologen, Gewalt gegen Andersgläubige und Minderheiten habe keine Basis im Koran. Marokko 2016 stehe zudem für eine Erklärung von über 120 Gelehrten. Sie legen dar, wie sich das Leben von Muslimen in modernen demokratischen Gesellschaften auf den Islam stützen kann. Güzelmansur: "Diese Kräfte in Deutschland und weltweit sowie die Ausbildung von Gelehrten an deutschen Zentren für islamische Theologie müssen wir voranbringen."

uwl/cas

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