Debatten um das Diakonat der Frau

Debatten um das Diakonat der Frau

Frauen/Kirche/Zusammenfassung

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) will sich dafür einsetzen, das Diakonat als Weiheamt für Frauen zu öffnen. Das kündigte ZdK-Präsident Thomas Sternberg am Samstag in Leipzig an. Schließlich trügen Frauen schon heute ganz maßgeblich den diakonischen Auftrag der Kirche.

Bei der Abschlusspressekonferenz zum 100. Katholikentag sagte Sternberg, dass in den vergangenen Tagen über die innerkirchlichen Hausaufgaben "unaufgeregt diskutiert" worden sei. Dabei sei in aller Klarheit die Unterstützung für die Initiative von Papst Franziskus deutlich geworden, das Thema Diakonat der Frau auf die Tagesordnung zu setzen. Vorsichtiger äußerten sich katholische Bischöfe.

Die Katholiken in Deutschland verbänden mit der Initiative des Papstes große Erwartungen, betonte Sternberg. "Wir sind davon überzeugt, dass die Zeit überreif ist, Frauen zu Diakoninnen zu weihen." Gerade in Leipzig sei deutlich geworden, "dass wir uns mit den Themen innerkirchlicher Reformen nicht um der Kirche selbst willen beschäftigen, sondern um die Kirche zu befähigen, ihren Auftrag für die Welt, für die Menschen zu erfüllen."

In den vergangenen Tagen hatten auch die ZdK-Vizepräsidentinnen Karin Kortmann und Claudia Lücking-Michel eine Einführung des Diakonats der Frauen gefordert. "Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um die Frauenfrage zu lösen", sagte Lücking-Michel. Zu befürchten sei sonst ein weiterer Auszug der Frauen aus der Kirche. Dass Papst Franziskus eine Kommission angekündigt habe, mache Mut. Schon auf der nationalen Synode der westdeutschen Bistümer in Würzburg (1971-1975) sei eine Bitte an den Vatikan formuliert worden, die Einführung des Diakonats der Frau zu prüfen. "40 Jahre nach diesem Appell warten wir jetzt auf eine Antwort."

Kortmann kündigte an, das Zentralkomitee wolle mit der Deutschen Bischofskonferenz eine gemeinsame Position zum Thema "Diakonat der Frau" für Papst Franziskus erarbeiten. Beim nächsten Zusammentreffen im Juni solle darüber gesprochen und ein Ergebnis erzielt werden. Durch die Ankündigung des katholischen Kirchenoberhaupts, dieses Amt und seine geschichtliche Tradition prüfen zu lassen, "haben wir enormen Rückenwind bekommen", so Kortmann.

Auch Kardinal Karl Lehmann begrüßte die Ankündigung des Papstes, eine Studienkommission zum Diakonat der Frau einsetzen zu wollen. Jetzt komme es aber auf die weiteren Schritte und die Besetzung der Kommission an, mahnte der emeritierte Mainzer Bischof am Freitagabend zur Vorsicht. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode wies darauf hin, dass die Ankündigung des Papstes erst genau untersucht werden müsse. "Ich bin nicht sicher, dass eine Diakoninnen-Weihe so schnell akut wird." Er sei jedoch dankbar dafür, dass Franziskus deutlich gesagt habe, dass das zu klären sei. Auch die Frauenkommission der Deutschen Bischofskonferenz, dessen Vorsitzender er ist, müsse dieser Frage nachgehen.

Bode verwies darauf, dass sich die deutschen Bischöfe bereits während des Studientags 2013 in Trier dazu verpflichtet hätten, bis 2018 eine Zwischenbilanz zu ziehen, wie die Situation von Frauen in kirchlichen Ämtern aussehe. "Wir müssen davon weg, dass der Priester der Allround-Manager ist." Er müsse eher die Funktion als geistlicher Leiter einnehmen. Um etwa Gemeindereferenten mehr Kompetenz zusprechen zu können, brauche es eine neue Form der Ausbildung. Nicht-Geweihte dürften nicht "die verlängerten Arme der Geweihten" sein, sondern müssten eigene Aufgaben erhalten.

cas/baj

 

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