Marx: Katholikentag ist eine "Stärkung"

Marx: Katholikentag ist eine "Stärkung"

Katholikentag/PK/Veranstalter

Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat am Samstagmittag eine vorläufige, positive Bilanz des 100. Deutschen Katholikentags gezogen. Vor Journalisten nannte er es eine richtige Entscheidung, zum Jubiläum mit der Großveranstaltung nach Leipzig gegangen zu sein. "Wir sind hier offenen, toleranten und interessierten Mitbürgern begegnet." Gemeinsam mit den Teilnehmern hätten sie die Stadt mit einer "gelassenen, friedlichen, Fröhlichkeit erfüllt".

Seinen Worten zufolge demonstrierte Leipzig, dass Katholikentage keine Bischofsstädte und kein volkskirchlich geprägtes Umfeld bräuchten. Auch aus der Position einer kleinen Minderheit heraus könnten die Christen eine große Wirkung entfalten. "Wir haben in Leipzig viel von dieser kleinen, aber wachsenden Kirche gelernt", betonte der ZdK-Präsident. Vor allem aber sei erfahrbar geworden, was es bedeute, "wenn wir uns unter Menschen bewegen, denen Glaube und Kirche schlicht unbekannt sind". Sie seien damit aber auch unbelasteter von vielen, "oft sehr menschlichen Erfahrungen" mit der Kirche.

Der Katholikentag habe zudem mit aller Deutlichkeit gezeigt, dass die sich in der Kirche engagierenden Menschen für eine "solidarische, tolerante und nach innen und außen offene Gesellschaft" einstünden, sagte Sternberg. Sie wünschten sich, dass sich Politik und Staat dafür einsetzten, eine solche Gesellschaft zu erhalten und auszubauen. Sie wollten kein Zurück in eine "zu Unrecht glorifizierte Vergangenheit", betonte Sternberg. Sie seien auch nicht bereit, sich auf die Botschaften der Unheilspropheten der gegenwärtigen Zeit einzulassen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, würdigte den Katholikentag. "Es ist eine großartige Sache, dass wir diese Laienbewegung haben." Wenn Papst Franziskus von der "synodalen Kirche" spreche, dann beziehe er auch die Mitverantwortung der Laien mit ein. Der Katholikentag habe über die Jahre eine besondere Bedeutung bekommen und stelle eine "Stärkung" dar. In Bezug auf die säkulare Stadt Leipzig als Veranstaltungsort und die geringe Zahl der hier lebenden Katholiken meinte Marx: "Es kommt nicht darauf an, ob wir viele sind, sondern dass wir etwas zu sagen haben, was Mut und Hoffnung macht." Die Agenda der Katholikentage hinsichtlich der sozialen Frage, sei noch nicht abgearbeitet. Zudem sei dieses Christentreffen auch ein "geistliches Ereignis" gewesen.

Der Diözesanadministrator des Bistums Dresden-Meißen, Andreas Kutschke, sprach von "informativen, intensiven und inspirativen Tagen", die friedlich und fröhlich geblieben seien. Die Leipziger und die Sachsen im Umland hätten die Gelegenheit gehabt, einmal in das "katholische Schwimmbecken" einzutauchen. Er sei zuversichtlich, dass bei so manchem Anblick von Menschen in Soutanen und Ordensgewändern keine Verwechslung mit Teilnehmer des Wave-Gotik-Treffens bestanden habe.

Über das Leitwort des Katholikentags "Seht, da ist der Mensch" ist nach Ansicht von Sternberg deutlich geworden, "dass die soziale Frage weder in unserem Land und erst recht nicht im weltweiten Zusammenhang zu den Akten gelegt werden darf". Globalisierung, Wanderungsbewegungen, Armutsbekämpfung und Klimawandel forderten heraus, die soziale Frage neu zu stellen und nach neuen Antworten zu suchen. Weiter ergänzte Sternberg, dass sich die Teilnehmer auch interessiert mit dem Dialog der Religionen beschäftigt hätten und mehr wissen wollten über den Islam und seine Glaubenskultur.

Vom Katholikentag gehe außerdem der Auftrag aus, sich noch mehr um Europa zu kümmern. "Zusammen mit unseren Brüdern und Schwestern in Polen, Frankreich, Österreich, Italien und vielen anderen Nachbarländern müssen wir uns dafür engagieren, die europäische Gemeinschaft zu stärken, gegen den neu aufflammenden nationalen Egoismus und gegen Vereinfacher und Populisten." Es gelte anzuknüpfen an Initiativen der Versöhnung, wie sie vor 50 Jahren durch polnische und deutsche Bischöfe und Laien angestoßen worden seien.

Angesprochen auf das gute Einvernehmen des ZdK mit der Bischofskonferenz, meinte Sternberg für die katholischen Laien: "Wir sind schon ganz selbstbewusst."  Im Übrigen seien weder der Episkopat noch die Laien in bestimmten Fragen immer einer Meinung. Streit könne fruchtbar sein, damit innerkirchliche die Hausaufgaben gemacht werden könnten. Doch wolle er nicht künstlich Konfrontationen aufbauen. "Streitlustig und friedfertig" gab auch der Kardinal als Losung für eine "synodale Kirche" vor.

baj/cas

 

 

 

 

Diese Seite teilen