Schick: Religion ist für Werte nicht zwingend

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Schick: Religion ist für Werte nicht zwingend

Religion/Werte

Nach Ansicht des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick sind Werte nie ein fertiges Produkt, sondern sie entstehen im fortschreitenden Prozess. Beim Podium "Brauchen Werte Religion" des Leipziger Katholikentages war er sich mit dem Leipziger Religionssoziologen Gert Pickel einig, dass Werte die Religion nicht zwingend benötigten.

Für Erzbischof Schick ergibt sich das, "weil der Mensch Geschöpf Gottes ist. Mit der Schöpfung sind Werte in ihm grundgelegt." Er finde sie sozusagen natürlicherweise und auch ohne Religion. Die Kirchen sind für Schick und Pickel allerdings dann unbedingt nötig, wenn aus Werten Tugenden und konkrete Handlungen würden. 

Dagegen warnte der Berliner Soziologe Professor Hans Joas im überfüllten Podium die Kirchen vor dem Versuch, "Religion und die Kirchen wegen ihrer Nützlichkeit anzupreisen". Joas bekannte sich zur selbstständigen, dynamischen und motivierenden Entwicklung von Werten. "Werte ziehen mich als Mensch an, sie bringen Menschen auf Ideen, es entsteht Gutes und man eifert Vorbildern nach." Aus diesem Grund seien sie für den Fortschritt der Gesellschaft und das Wohl der Menschen wichtig. 

Christine Hohmann-Dennhardt, frühere Bundesverfassungsrichterin und seit Januar 2016 im VW-Konzern für Integrität und Recht verantwortlich, warnte allerdings davor. die steuernde Wirkung von Werten in Gesellschaft und Wirtschaft zu überfrachten. "Man darf Werte nicht von vornherein in den Himmel stellen." Nur wenn sie von Menschen reflektiert und durch konkretes Handeln zu Tugenden würden, schaffe das Vertrauen und ermögliche Fortschritt - auch im wirtschaftlich glaubwürdigen Tun.

uwl/cas

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