Franziskaner: Wir bleiben bei den Menschen in Syrien

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Franziskaner: Wir bleiben bei den Menschen in Syrien

Kirche/Syrien

Der scheidende oberste Franziskaner im Heiligen Land, Pierbattista Pizzaballa, will die Präsenz des Ordens in Syrien unbedingt aufrechterhalten. "Wir können nicht allein den Frieden bringen. Wir sind wenige und arm", sagte der langjährige Kustos am Samstag beim 100. Katholikentag in Leipzig. Franziskaner könnten diese große und komplexe Krise nicht umsteuern; aber sie könnten bei den Menschen bleiben und ihnen Hoffnung geben. "Wir dürfen nicht kapitulieren. Wir sind Christen. Wir sind Gläubige", so Pizzaballa, dessen Nachfolger als Kustos vor wenigen Tagen ernannt wurde.

Er betonte, der Krieg in Syrien sei kein Krieg zwischen den Religionen, sondern vor allem ein äußerst komplexer Konflikt innerhalb des Islam. Die Christen seien keine Teilnehmer dieses Konflikts, sondern zwischen die Fronten geraten. Pizzaballa wie auch der Apostolische Vikar von Aleppo, Bischof George Abou Khazen, sprachen sich aber gegen Schutzzonen für Christen aus. Dies sei "gegen jede Logik"; die Christen seien nicht Partei, sondern müssten Brücken bauen. Das könne man nicht in einem Schutzkorridor, so die beiden Franziskaner.

Der Bischof sprach von einer "neuen Apokalypse" in Syrien. Die meisten Krankenhäuser seien zerstört, das Gesundheitssystem zusammengebrochen; rund 35.000 Mediziner hätten seit Kriegsbeginn das Land verlassen. Jeden Tag gebe es Bombardierungen, auch der Zivilbevölkerung. Aleppo sei zum "gefährlichsten Ort der Welt" geworden, so Abou Khazen.

Auch er betonte, die Kirche verlasse ihren Platz bei den Menschen nicht. Im Rahmen ihrer kleinen Möglichkeiten lieferten die Franziskaner der notleidenden Bevölkerung, vor allem Familien und Kranken , Lebensmittel und Trinkwasser, medizinische Unterstützung und Schulbildung. In Notfällen könne man auch Schuldendienste für veramte Familien leisten.

Auf die Frage nach einer Zukunft für Syrien sagte der Italiener Pizzaballa: "Ich bin weder ein Prophet noch der Sohn des Propheten." Wichtig sei aber, nicht so zu tun, als habe man die Lösungen bereits in der Tasche. "Wir müssen  immer von den Realitäten ausgehen und diese Stück für Stück verändern. Aleppos Bischof Abou Khazen sagte: "Es gibt immer eine Zukunft, trotz aller Schwierigkeiten. Aber zuerst brauchen wir ein Ende des Krieges."

Der Bischof kritisierte die Rolle der Türkei in dem Konflikt. Die lange Grenze zwischen Syrien und der Türkei sei völlig offen. Die Türkei kaufe nicht nur das Öl für die von der Terrormiliz IS kontrollierten Regionen und unterstütze diese so. Die Türkei sei auch der zentrale Umschlagplatz für vom IS geraubte Artefakte aus Syrien. "So verlieren wir unsere Geschichte", so Abou Khazen.

Die Franziskaner haben in ihrer Heilig-Land-Provinz - die Israel, Palästina, Jordanien, Syrien,Ägypten, den Libanon und Zypern umfasst -  nach eigenen Angaben 280 Mitglieder. In Syrien leben demnach 16 Franziskaner-Priester und 10 Laienbrüder.

brg/cas

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