Patriarch Twal: Land der Blinden und Tauben

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Patriarch Twal: Land der Blinden und Tauben

Kirche/Nahost

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, zeichnet ein düsteres Bild von der politischen Situation in Israel und Palästina. "Das Heilige Land befindet sich in einer Sackgasse", stellte Twal am Samstag beim Leipziger Katholikentag fest. Man habe den Eindruck, in einem "Land der Blinden und Tauben" gegenüber den Konzepten der jeweils anderen Seite zu leben.  

Israel habe zwar in der Vergangenheit Kriege gewonnen, niemals seien aber damit Friede und Sicherheit einhergegangen, so das Oberhaupt der Katholiken im Heiligen Land. "Die Besatzung ist schlecht für Besatzer und Besetzte", sagte der Patriarch. Man dürfe sich auch nicht der Illusion hingeben, dass die palästinensische Gewalt aufhöre, solange die Besatzung durch Israel nicht beendet sei. 

Twal beklagte mit Blick auf die illegalen jüdischen Siedlungen, dass internationales Recht missachtet werde. "Und die Internationale Gemeinschaft unternimmt nichts", so der Patriarch. Eine entscheidende Rolle zur Durchsetzung der Zwei-Staaten-Lösung sollte seiner Ansicht nach die Bundesrepublik übernehmen. "Es ist nicht sonderlich hilfreich, wenn Deutschland den Staat Israel aus der Verantwortung entlässt, die Besatzung zu beenden", klagte Twal und sprach in diesem Zusammenhang von "Drückebergerei". Es sei endlich an der Zeit, Palästina als Staat anzuerkennen. "Damit nimmt man Israel nichts weg." Gleichzeitig brachte der Patriarch aber auch das Ein-Staat-Modell ins Spiel, in dem Israelis wie auch Palästinenser gleichberechtigt und demokratisch wählen dürfen. Folge daraus sei, dass auch ein Palästinenser zum Präsidenten gewählt werden könnte. 

Miguel Berger, Leiter der Nahost-Abteilung im Bundesaußenministerium, betonte, dass ein Lösungsweg für dauerhaften Frieden im Heiligen Land seit vielen Jahren klar und bekannt sei. "Es fehlt allerdings der politische Wille, dies umzusetzen", so Berger. Die Gesellschaften in Israel und Palästina hätten sich immer weiter von einander entfernt, Friedensbewegungen stellten heute eine politische Minderheit dar. Die alleinige Vermittlung in dem Konflikt durch die USA sei nicht zielführend gewesen, so Berger. Entsprechend seien nun die Staaten Europas gefordert, den Prozess im Nahen Osten zu begleiten. Die Initiative Frankreichs zu einer Nahost-Konferenz wertete er als einen guten  Schritt. 

hst/cas

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