Kardinal Marx wirbt für neue Liturgieformen

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Kardinal Marx wirbt für neue Liturgieformen

Kirche/Ökumene

Für mehr Fantasie bei der Gestaltung der katholischen Messe hat sich Kardinal Reinhard Marx ausgesprochen. "Warum wird nach der Predigt keine Diskussion ermöglicht?" sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Samstag beim Katholikentag in Leipzig. Die Gläubigen sollten während des Gottesdienstes auch einmal aufstehen und klatschen. "Man kann sogar seinen Nachbarn umarmen und sagen: Der Friede sei mit dir", ergänzte der Münchner Erzbischof. "Das ist nicht schlimm." Liturgie sei das "Herzstück der Kirche", so Marx. Sie dürfe allerdings nicht beliebig werden.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wandte sich mit Blick auf sinkende Kirchenmitgliederzahlen gegen falsche Schlussfolgerungen. Man könne nicht die Maßstäbe von 1950 anlegen, sagte der bayerische Landesbischof. Damals hätten die Menschen soziale Sanktionen fürchten müssen, wenn sie aus der Kirche austreten wollten. "Heute können sich die Menschen selbst entscheiden", so Bedford Strohm. "Sie machen das aus Freiheit." Als abwegig bezeichnete er Einschätzungen, der Kirche liefen gerade die Intellektuellen und Gebildeten davon.

Marx und Bedford-Strohm äußerten sich bei der "Leipziger Disputation" in der Thomaskirche. Die Reihe wird seit 2009 in Erinnerung an das berühmte Leipziger Streitgespräch von 1519 zwischen Martin Luther und dem Vizekanzler der Universität Ingolstadt, Johann Eck, durchgeführt. Die diesjährige Disputation aus Anlass des Katholikentags stand unter dem Titel "Recht - Gerechtigkeit - Rechtfertigung". Die Spitzenvertreter der beiden großen Kirchen waren sich bei dem von der Journalistin Heike Schmoll geleiteten Gespräch in fast keinem Punkt uneins. Nur beim Thema gemeinsames Abendmahl stellten sie die je eigenen Haltungen dar.

buc/cas

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