"Ostdeutschland ist die säkularisierteste Region Europas"

S. 301

S. 301

"Ostdeutschland ist die säkularisierteste Region Europas"

Gesellschaft/Religion/Pegida

Der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, hat Ostdeutschland als "säkularisierteste Region Europas" bezeichnet. "Die Menschen in Ostdeutschland haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben", sagte Richter am Samstag auf dem Katholikentag in Leipzig.  

So werde auch der Islam als Gefahr wahrgenommen. "Die Menschen können sich nicht mehr in religiöse Menschen hineindenken." Um eine Spaltung der Gesellschaft abzuwenden, brauche es Empathiefähigkeit und die Bereitschaft, einen Perspektivwechsel einzunehmen.

Grundlage der Pegida-Bewegung sei ein neuer Nationalismus, sagte Richter. Dieser stoße in Ostdeutschland in eine Leere hinein, die der Marxismus und Leninismus nach der Wende hinterlassen hätten. Der Mensch brauche eine Orientierung für die Welt. "Diese finden viele in der Bewegung", sagte Richter.

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt sieht es als Aufgabe der Politik, die Gesellschaft zusammenzuhalten. Dies sei vor allem durch die Pluralisierung und Einwanderung schwierig geworden. "Wenn es zumindest für eine kurze Zeit funktioniert, eine Gesellschaft zusammenzuhalten, ist das ein sehr großer Erfolg."

In Pegida-Demonstrationen stünden einerseits "liebevolle Einzelmenschen"; in der Masse "hüllen sie sich aber in ihren Schlachtrufen und Parolen ein". Wer sich nicht mehr persönlich verantwortlich fühle, bei dem verändere sich alles, begründete Patzelt die Radikalität der Pegida-Anhänger.

Der sächsische Landesbeauftragte der Konrad Adenauer Stiftung, Joachim Klose, betonte, dass die Einheit, Struktur und Sicherheit hohe Güter seien. "All das, was wir mit Pegida und Legida erfahren, hat etwas mit 'Heimatverlust' zu tun", so Klose. Der Sozialraum habe sich in den neuen Bundesländern nach der Wende massiv verändert. Hinzu kämen Neid, Zukunftsangst und Vorurteile.

sdk/cas

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