Leberwurst und Sandstrand

Abend der Begegnung - S.30

Abend der Begegnung - S.30

Leberwurst und Sandstrand

Katholikentag/Buntes

Der erste Abend des Leipziger Katholikentags stellte die gewohnten Verhältnisse auf den Kopf: Statt kleiner Minderheit feierten rund 30.000 Christen auf den Plätzen und Straßen der Leipziger Innenstadt. Nach dem offiziellen Auftakt mit Bundespräsident Joachim Gauck und dem Appell von Papst Franziskus, der per Videobotschaft zu einer solidarischen, menschenwürdigen Gesellschaft aufrief, hat das fünftägige Christentreffen mit einem stimmungsvollen und farbenfrohen Abend der Begegnung begonnen. Rund um Thomas- und Nikolaikirche und zwischen Marktplatz und Universität stellte sich die vielfältige Kirche Ostdeutschlands den Besuchern vor.

Das Bistum Görlitz bot Käse aus der Lausitz an, die bekannt für ihre Milchviehwirtschaft ist. Zudem bildete der Görlitzer Diözesanrat die beiden Regionen seines Bistums kulinarisch ab. Am Stand des Rates gab es Schlesischen Streuselkuchen sowie brandenburgisches Schmalzbrot mit Spreegurke. Der besondere Tipp: Ein typisches schwarzes Bier aus der Franziskaner Klosterbrauerei Neuzelle. Das Bier wurde am Anfang des Abends allerdings noch warm ausgeschenkt, "uns ist auf der Fahrt zum Katholikentag ein Kühlschlauch geplatzt", rechtfertigte sich der Schankwirt.

Das Gastgeberbistum Dresden-Meißen wollte mit den Besuchern ins Gespräch kommen. Unter dem Motto "ansprechBar" gab es bei Brot, Wein und Wasser Infos über die Arbeit des Bistums. Am Stand der thüringischen Stadt Altenburg konnte der Abend bei einem Skatspiel, das in der Stadt im Mittelalter erfunden wurde, und einem Altenburger Bier gemütlich ausklingen.

Das Bistum Erfurt stellte sich anhand des "Verrückten Bistums" vor: Der Leinefelder Jugendpfarrer Philipp Förter hat das überdimensionierte Open-Air-Spiel gemeinsam mit Jugendlichen gebaut. Der Spieler lernt dabei typische Speisen aus der Region, aber auch die Kirchen des Bistums kennen. Zudem wurde mit großen Stellwänden das seelsorgliche Konzept des Ostbistums präsentiert.

An zwei Bühnen an der Nikolaikirche gestalteten die evangelische Kirche und die Minderheit der katholischen Sorben ihre Bühnenprogramme. Zwischen den Besuchern mit grünen Katholikentagsschals leuchteten die Trachten. Schon von weitem waren die Choräle der evangelischen Posaunenchöre und die sorbischen Kirchen- und Volkslieder zu hören.

"Dass wir als evangelische Christen so selbstverständlich beim Abend der Begegnung des Katholikentags dabei sind, ist ein klares Zeichen, dass wir auf dem Weg zur Einheit der Christen schon sehr weit vorangekommen sind", sagte Landeskirchenreferent Michael Seimer. Und Christof Vetter vom Planungsstab des Reformationsjubiläums 2017 ergänzt: "Ich bin sicher, dass umgekehrt im kommenden Jahr auch viele Katholiken dabei sein werden, wenn wir an 500 Jahre Reformation erinnern." Die mit dickem Zuckerguss verzierten "Reformationsbrötchen" finden jedenfalls schon jetzt am Katholikentag reißenden Absatz.

Genauso wie die mit Hausmacher Leberwurst bestrichenen Brötchen der sorbischen Landfrauen. "Für uns ist es eine Ehre, beim Katholikentag die Vielfalt und den Reichtum unserer sorbischen Kultur zu präsentieren", so Monika Krahl. Sie hieß alle Besucher mit dem traditionellen Gruß "Witajce k nam!" Willkommen. Auf der kleinen Bühne sprach der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung über seine Erwartung, dass vom Katholikentag ein Signal der Weltoffenheit und Toleranz ausgehen wird.

Beim Erzbistum Berlin ging es musikalisch zu: Die ökumenische Band "Patchwork" begrüßte die Besucher. "Wer keine Angst vor Berlinern hat, kann gerne näher an die Bühne kommen!" Schon seit 25 Jahren spielen sie auf kirchlichen Veranstaltungen.

Nach "Berliner Pfannkuchen" mixte die Katholische Landjugend Cocktails. "Eigens für den Katholikentag erfunden!", sagt Martina Richter aus der Pressestelle des Erzbistums. Cocktails wie "Berliner Stadtleben" und "Märkische Strandluft" kann man fast wie am Strand genießen: zumindest im Strandkorb mit Sand unter den Füßen. Den hat das Bistum aufschütten lassen und will damit zeigen, dass es nicht nur Berlin einschließt, sondern sich auch bis hin zu den Städten Binz und Stralsund erstreckt.

Auch die Begegnungen auf der Bühne des Bistums Magdeburg wurde musikalisch durch eine Bigband eingeleitet. Während des gesamten Abends traten Bands und Kabarettisten auf  - während sich die Besucher Reibekuchen, Linsensuppe und "Fettbemmen" mit Zwiebeln oder Joghurtbrot schmecken lassen konnten.

Am Ende des ersten Katholikentagabends stand ein Moment des Innehaltens: Auf allen Bühnen und Plätzen wird gleichzeitig das gemeinsame Abendgebet "Und das Licht leuchtet in der Finsternis" gesprochen - bevor es viele dann doch noch in die Leipziger Kneipen zieht.

rst/sdk/has/cas

 

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