Özoguz spricht sich für allgemeinen Religionskunde-Unterricht an Schulen aus

S. 131

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Özoguz spricht sich für allgemeinen Religionskunde-Unterricht an Schulen aus

Gesellschaft/Islam/Religion

Die Integrationsministerin der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat sich für einen Religionskunde-Unterricht in den Schulen ausgesprochen. "Einen solchen Unterricht, in dem die Schüler über ihre Religion erzählen und die des Mitschülers kennenlernen können, ziehe ich einem islamischen Religionsunterricht vor", sagte Özoguz am Freitag beim Katholikentag in Leipzig. Kinder seien dafür auch noch sehr viel offener als Erwachsene, die "da schon ein bisschen festgelegt sind". Es wäre gut, "wenn wir mehr von der Religion des anderen wüssten". Özoguz äußerte sich bei einer Diskussion zum Thema "Europäischer Islam oder Islamisierung Europas".

Sie betonte, rückblickend habe sich in der Rolle der Muslime in der deutschen Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten viel zum Positiven geändert. Als Kind sei sie als "Ausländer oder Türkin" bezeichnet worden. "Das Wort Muslime gab es damals nicht und nach unserer Religion hat uns niemand gefragt", so die Staatsministerin. Inzwischen gebe es an vielen Universitäten islamische Theologie, so dass "man in Augenhöhe mit Vertretern anderer Religionen diskutieren kann".

Mit der Flüchtlingskrise habe sich das Bild des Islam in Deutschland aber zum Negativen verändert. "Natürlich kann auch ich nicht sagen, wie viele Extremisten sich unter den Flüchtlingen befinden. Das darf aber doch nicht dazu führen, dass ich in jedem muslimischen Flüchtling einen Extremisten sehe", so Özoguz. Viele Menschen seien derzeit verunsichert. Wenn man gegen Menschen hetzen wolle, sei das Schüren von Ängsten ein gutes Instrument. Dem müsse man entgegen steuern. "Wir dürfen uns unser Zusammenleben, das jahrelang gut funktioniert hat, nicht durch solche Parolen kaputt machen lassen", erklärte die SPD-Politikerin. Auch bei Auseinandersetzungen gelte es, immer den Menschen im Gegenüber zu sehen.

Die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi kritisierte, dass es nach wie vor keine Diskussionen auf Augenhöhe mit Muslimen gebe. Auch die Initiative der Islamkonferenz sei nicht deswegen entstanden, weil Muslime akzeptiert worden seien, sondern weil sie über die Demokratie aufgeklärt werden sollten. Die Politik müsse sich überlegen, ob sie in den Muslimen Partner sehen oder ob sie diese erziehen wolle. Zudem könne man von den unterschiedlichen muslimischen Verbänden nicht verlangen, mit einer Stimme zu sprechen, wie es die Politik derzeit versuche. Dies sei utopisch. Es gebe ja schließlich auch innerhalb des Christentums unterschiedliche Richtungen.

wil/baj

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