Militärbischof an Religionen: Gemeinsam Menschenwürde einfordern

S. 123

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Militärbischof an Religionen: Gemeinsam Menschenwürde einfordern

Religionen/Militär

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck hat die ethische Maxime eines gerechten Friedens für alle aufgrund der Menschenwürde aller bekräftigt. Leider weise in der Weltpolitik "derzeit nichts darauf hin, dass diese Forderung handlungsleitend wäre", sagte Overbeck am Freitag beim 100. Katholikentag in Leipzig. In einer zunehmend säkularen Gesellschaft müssten die abrahamitischen Religionen Judentum, Islam und Christentum immer wieder gemeinsam Menschenrechte und Menschenwürde für alle einfordern.

In der öffentlichen Debatte über das Verhältnis von Religion und Gewalt gelte es, zwei Extrempositionen zu vermeiden, so der katholische Bischof von Essen. Die eine unterstelle, dass Religionen grundsätzlich Konflikte hervorbringen oder zumindest befeuern; die andere versuche, aus der Religion stets das Opfer zu machen. Alle großen Religionen, sagte Overbeck, enthielten Elemente und Positionen, die "situationsbezogen Gewalt zu rechtfertigen versuchen".

Der Frankfurter Islamwissenschaftler Bekim Agai betonte in der Diskussion, die Beziehung des Islam zu Gewalt sei situationsbedingt und geschichtsbezogen. Zwischen Christentum und Islam habe es immer höchstens einen Kalten Krieg, nie aber eine Art dauerhaften Friedensschluss gegeben. Es gelte, entsprechende Zitate nicht aus dem Zusammenhang zu reißen. Er sprach im Rückgriff auf die Sprache der elektronischen Datenverarbeitung von "Texten für ein anderes Betriebssystem".

Der Bremer evangelische Theologe und Religionswissenschaftler Hans Kippenberg rief die deutsche Gesellschaft und die Medien auf, die Aufmerksamkeit "stärker auf jene Kräfte zu lenken, die an einer Integration interessiert sind und dafür werben". Dies sei konstruktiver, als sich auf jene Problemfälle zu konzentrieren, die zu Unfrieden beitragen.

brg/cas

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