Müntefering: "Demokratie ist kein Schaukelstuhl"

S. 67 und 156.

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Müntefering: "Demokratie ist kein Schaukelstuhl"

Gesellschaft/Generationen/Jugend

Gerechtigkeit ist kein Generationen-Problem, sondern eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Zu dieser Einschätzung kamen die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema "Seht ihr uns noch? Verliert die alternde Gesellschaft die Jugend aus dem Blick?" am Freitag in Leipzig. Bei dieser Frage stünden die Generationen nicht als Generationen gegeneinander, sagte der SPD-Politiker Franz Müntefering. Denn auch innerhalb der Generationen gebe es Ungerechtigkeiten.

Die Sprecherin der Grünen Jugend, Jamila Schäfer, erklärte, die Beschwörung des Generationenkonflikts "verschleiert die Ungleichverteilung", etwa wenn es um Rentenzahlung und Einkommen gehe. Junge Menschen wollten häufig etwas dagegen tun, fänden jedoch "nicht die Zeit und das Forum", um Fragen zu stellen und Antworten zu erhalten. Jugendliche würden zu wenig in politische Prozesse eingebunden, monierte Schäfer.

Auch die Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Lisi Maier, beklagte, dass junge Menschen aus dem Blick der Realpolitik verschwinden würden. Sie seien zudem nicht wahlberechtigt. Maier forderte Kinder und Jugendliche auf, sich stärker zu engagieren. Aber auch sie gab zu bedenken, dass junge Menschen heutzutage viel weniger Zeit dafür hätten. Vor allem in ländlichen Bereichen seien die Schulwege lang, zudem hätten sich die Schulzeiten verlängert. Zudem forderte die BDKJ-Vorsitzende die Politiker auf, bei Entscheidungen auch mal die "unter-28-Brille" aufzusetzen und die Anliegen der jungen Leute mit einzubeziehen.

Der Ressortleiter der Jungen IG Metall, Michael Schmitzer, sieht das Problem vor allem im Bildungsbereich. Für viele Unterrichtsfächer, etwa Politik, gebe es nur wenig Zeit, da Jugendliche möglichst schnell für den Arbeitsmarkt ausgebildet werden sollten. Das müsse sich ändern. "Ich erwarte von der Kultusministerkonferenz ein klares Zeichen."

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth betonte, junge Menschen leisteten mehr, als ihnen zugeschrieben werde. "Sie haben ungemeine Fähigkeiten." In der Flüchtlingshilfe etwa seien sie sehr engagiert. Sie forderte, dass in einer Demokratie alle Generationen "stärker miteinander arbeiten und voneinander lernen sollten". Auch Müntefering stimmte dem zu. Nicht nur die junge, auch die ältere Generation habe gemeinsam mit den jüngeren Leuten ihren Beitrag zu leisten: "Demokratie ist kein Schaukelstuhl."

rst/baj

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