Datenschützer warnen vor Missbrauch von Patienteninformationen

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Datenschützer warnen vor Missbrauch von Patienteninformationen

Gesundheit/Digitalisierung

Der Kieler Datenschützer Thilo Weichert hat vor dem Missbrauch von Gesundheitsdaten gewarnt. Derzeit gebe es weder auf internationaler noch auf deutscher Ebene einen einheitlichen, gesetzlichen Rahmen, sagte Weichert am Freitag beim Leipziger Katholikentag.

"Der Gesetzgeber ist deshalb dringend gefordert, durch klare Regeln einerseits den medizinischen Fortschritt voranzubringen und andererseits den Datenschutz und die Selbstbestimmungsrechte der Patienten zu gewährleisten." Weichert betonte, die Entwicklungen der digitalen Medizin und das Zusammenführen großer Datenmengen aus unterschiedlichen Erhebungsorten, das sogenannte Big Data, böten große Chancen, um die Medizin und die Gesundheitsfürsorge zu verbessern. "Aber wir brauchen eine saubere, rechtliche Kontrolle."

Die Kölner Ethikerin und langjährige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, betonte, derzeit verwische die alle Lebensbereiche durchdringende Digitalisierung viele bislang unüberwindbare Grenzen. Als Beispiel beschrieb sie das Zusammenführen von Daten aus der Gesundheitsversorgung, von Kliniken und Krankenkassen und die über Fitnessarmbänder erhobenen Informationen aus dem Lifestylebereich. "Daraus erwachsen Chancen, aber auch ganz neue Herausforderungen für die Wahrung von Selbstbestimmung und Privatsphäre."  Schon heute gebe es weltweit dreimal mehr über das Internet kommunizierende Geräte als Menschen.

 Der Leipziger Mediziner und Informatiker Markus Löffler sprach sich für eine breite gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit Big Data in Forschung, Patientenversorgung und im öffentlichen Gesundheitswesen aus. "Um den immer größer werdenden Datenmengen Herr zu werden, müssen wir ganz neue, sorgfältige und präzise Datenverarbeitungsmechanismen entwickeln." Auch er sprach sich dafür aus, Patienten umfassend darüber zu informieren, wozu ihre Gesundheitsdaten erhoben würden. Zunächst sollten Gesundheitsdaten beispielsweise nur in einer Klinik vor Ort verwendet werden. Erst nach einer Anonymisierung und Bearbeitung durch eine "Datencleaningstelle" könnten Patientendaten dann beispielsweise für die Forschung frei gegeben werden.

has/cas

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