Misereor: Unser Konsum heißt Verlust an Biodiversität und Menschenwürde

S. 67/215

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Misereor: Unser Konsum heißt Verlust an Biodiversität und Menschenwürde

Umwelt/Konsum/Kirche

Das katholische Hilfswerk Misereor drängt auf eine gesunde, gerechte und genügende Landwirtschaft "für alle Menschen in allen Erdteilen". Noch nie habe die Welt mehr Lebensmittel produziert, sagte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel am Freitag beim 100. Katholikentag in Leipzig. Dennoch litten 800 Millionen Menschen Hunger; zwei Milliarden Menschen seien mangelernährt. Zugleich sei eine Milliarde Menschen übergewichtig.

Spiegel kritisierte eine seit Jahrzehnten ökologisch ungesunde Produktion. Großunternehmen hätten größte Teile der Wertstoffkette inne; es gebe frappierende Überkapazitäten bei der Fleischproduktion. Der Agrarsektor sei nur auf Gewinnmaximierung und Profit ausgerichtet. Dies führe zu einem Verlust an Biodiversität und zu Wassermangel. Die Produktion frischer Lebensmittel von Kleinbauern vor Ort für den Eigenbedarf werde erstickt.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, Maria Flachsbarth (CDU), sieht zugleich viel Verbesserungspotenzial in den Entwicklungsländern. So werde in Uganda und Tansania nur ein Viertel der zu erzielenden Menge Mais geerntet. "An einer Steigerung der Effizienz führt kein Weg vorbei", so Flachsbarth. Dies müsse nicht notwendig einen Paternalismus des Westens bedeuten. Es gehe aber darum, technisches Know-how und einfache Ideen für Fortschritte weiterzugeben. Als Beispiel nannte sie das System der Tröpfchenbewässerung.

Achim Drewes von Nestle Deutschland teilte die Problemanalyse. Er widersprach aber der Auffassung, dass sein Unternehmen Preise drücke oder auf problematische Anbauflächen bestehe. Statt dessen werde großer Aufwand bei den Kontrollen der Lieferketten betrieben. "Wir wollen Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein", sagte Drewes; und ergänzte mit Blick auf das Forum des Katholikentags: "Sonst würde ich hier nicht sitzen." Es sei ein wirtschaftliches Eigeninteresse des Konzerns, "Lebensmittel verlässlich, dauerhaft und in guter Qualität herzustellen". Nestle ist auf viele marktproblematische Rohstoffe angewiesen, so etwa auf Palmöl, Soja, Kaffee oder Kakao.

Misereor-Chef Spiegel forderte dagegen, Menschen nicht in Lieferketten für internationale Produktionen einzubinden. Es gehe darum, Kleinbauern vor Ort "Subjekte ihres Lebens bleiben zu lassen" und ihnen eine für sich selbst genügende örtliche Produktion zu ermöglichen.

brg/baj

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