Bischof Hanke wünscht sich mehr Umweltbewusstsein bei den Bischöfen

S. 216

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Bischof Hanke wünscht sich mehr Umweltbewusstsein bei den Bischöfen

Kirche/Umwelt

Der Eichstätter Bischof Gregor Hanke wünscht sich von seinem Amtskollegen mehr Umweltbewusstsein. "Warum fahren nicht mehr Bischöfe mit Bahnen zu bestimmten Konferenzen?", sagte Hanke am Freitag beim Katholikentag in Leipzig. Es könnten auch sehr viel mehr Fahrgemeinschaften gebildet werden. Er äußerte sich bei einer Veranstaltung zum Thema "Laudato si- ein Jahr später". In seinem Bistum werde gerade die Anschaffung von Elekto-Autos geprüft, es gebe aber noch keine Entscheidung. Er selbst empfehle auch den anderen Bischöfen, "Inlandsflüge zu vermeiden und stattdessen die Bahn zu nehmen".

Geboten seien mehr "exemplarische Verhaltensänderungen", so Hanke. Die CO2-Prüfung bei den Dienstwagen der Bischöfe sei erst ein Anfang. "Da könnte noch viel mehr gemacht werden." Leider diskutiere die Deutsche Bischofskonferenz nach Erscheinen der Umwelt-Enzyklika nicht anders als vorher. "Ich sehe das aber nicht defätistisch", betonte der Bischof weiter. "Ich hoffe da noch auf mehr Impulse."

Der Vorstandsvorsitzende von Germanwatch, Klaus Milke, stärkte Hanke den Rücken. Er sagte, die Enzyklika sei außerhalb der Kirche bei Umweltorganisationen sehr viel stärker wahrgenommen und diskutiert worden als innerhalb. Dies wundere ihn. Auch dort müsse es aber strukturelle Veränderungen geben, forderte Milke. Sein Verband habe sehr viel von der Enzyklika gelernt. So sei die angesprochene "universelle Geschwisterlichkeit" für die Organisation sehr wichtig. Er hoffe, dass die wertebewussten Ansätze wieder stärker Beachtung fänden.

Auch der Vatikan-Journalist Bernd Hagenkord bekräftigte, dass die Kirche weiterdenken müsse. Es reiche nicht, Papiere zu schreiben und Planstellen einzurichten, sondern "wir müssen überlegen, wie wir in einen gesellschaftlichen Diskurs darüber treten können, um den kulturellen Wandel mitzugestalten", so der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von "Radio Vatikan".  

Markus Büker, Experte für theologische Grundsatzfragen beim kirchlichen Hilfswerk Misereor, betonte, ein Wandel im Umweltbewusstsein müsse jetzt eingeleitet werden. "Wir haben keine Zeit mehr." Auch Kirchengemeinden müssten sich die Frage stellen, was sie dafür tun könnten, um das nationale Klimaziel zu erreichen. "Machen Sie doch mal ein Klima-Audit in Ihrer Gemeinde!" Dies seien nur "kleine Sachen", aber sie schafften ein Bewusstsein für eine ökologische Spiritualität.

Die Enzyklika erfahre aber auch viel Gegenwind, erinnerte die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins. So gebe es etwa Kritik an deren Stil. Manche läsen daraus eine "allzu pessimistische Wahrnehmung der Sachlage". Der Papst nehme aber bewusst die Rolle des prophetischen Kritikers ein. So übe er zwar sehr deutlich Kritik, zugleich betone er aber, dass die Menschen dieser Situation nicht ausgeliefert seien und ermutige sie zum Handeln.

wil/baj

 

 

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