EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm lehnt Heldenverehrung Luthers ab

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EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm lehnt Heldenverehrung Luthers ab

Kirche/Ökumene

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat bekräftigt, dass die evangelische Kirche das Reformationsgedenkjahr 2017 nicht zur Heldenverehrung für Martin Luther (1483-1546) nutzen will. Dies würde "den dunklen Seiten Luthers nicht gerecht", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Freitag beim Katholikentag in Leipzig. Die Christen sollten das Jubiläum vielmehr gemeinsam nutzen, gleichgültig gewordenen Menschen die frohe Botschaft neu zu erschließen.

Bedford-Strohm verwies darauf, Luther selbst habe es abgelehnt, dass sich die evangelischen Christen "Lutheraner" nennen. "Lutherischer Konfessionalismus ist ein Widerspruch in sich", so der Geistliche. Die Münsteraner katholische Theologin Dorothea Sattler sprach mit Blick auf den Reformator von einem Geschenk, das er allen Christen durch seine Orientierung am Evangelium bereitet habe. Luther genieße auch im katholischen Raum Achtung. "Es gibt eine sehr hohe Bereitschaft, sich seiner Person und seinen Gedanken zu nähern", unterstrich Sattler.

Der Münchner orthodoxe Theologe Athanasios Vletsis sagte, dass Luther den Glauben in Krisenzeiten verteidigt habe, könne als Merkmal prophetischer Begabung gesehen werden. In der Orthodoxie werde vor allem seine Theologie der Freiheit gewürdigt. Das Reformationsgedenken 2017 sei eine "Chance zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft", ergänzte Vletsis. Der Bochumer katholische Theologe Thomas Söding gab zu bedenken, die allermeisten Katholiken lebten heute ihren Glauben so, als habe es Luther nie gegeben. "Das ist ein schwerer Fehler."

buc/baj

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