Alois Glück: Flüchtlingsintegration ist "heilsame Herausforderung"

S. 67

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Alois Glück: Flüchtlingsintegration ist "heilsame Herausforderung"

Flüchtlinge/Gesellschaft/Kirche

Der frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hat die Flüchtlingsintegration als "heilsame Herausforderung" bezeichnet. Endlich müssten sich die Deutschen klar werden, welche Werte ihnen wichtig seien, sagte er am Freitag auf dem 100. Katholikentag in Leipzig. Angesicht der rund eine Million Asylsuchenden allein im vergangenen Jahr müsse die Gesellschaft definieren, welches die Maßstäbe für ein gelingendes Zusammenleben seien. Integration könne nur gelingen, "wenn wir wissen, was uns wichtig ist".

Natürlich seien dies auch die christlichen Fundamente "unserer Kultur", so der CSU-Politiker. Sie seien aufs Engste mit der Identität der Deutschen verbunden. Betrachte man aber Umfragen etwa aus Österreich, wonach 80 Prozent der Bevölkerung sich ein weiterhin rein christliches Österreich wünschen, aber nur 50 Prozent den Sinn von Ostern kennen, werde der Wert solcher Aussagen deutlich, so Glück.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bettina Jarasch betonte die "Brückenfunktion" der Christen hierzulande bei der Integration der Flüchtlinge. Religion sei zwar nicht die einzige Quelle aus der sich die Kultur des Zusammenlebens speise. Mit ihrer Erfahrung könnten Christen jedoch den zumeist aus stark religiös geprägten Ländern kommenden Menschen vermitteln, dass gelebte Pluralität und Freiheit die Grundfeste des Miteinanders in Deutschland seien. Zudem könnten sie deutlich machen, dass Religion frei und öffentlich gelebt werden könne, so Jarasch, die auch Mitglied im ZdK ist.

Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau warnte vor einem Zerfall des Sozialstaates. Vieles etwa in der Fürsorge sei in den vergangenen Jahren kaputt gespart worden. Die Probleme träten jetzt mit den vielen Flüchtlingen nur deutlicher zutage. Sie wünsche sich eine Gesellschaft, in der "jeder des anderen Last trägt", so die evangelische Christin und Linken-Politikerin. Niemals dürfe die Hinwendung und Unterstützung einer Gruppe von Bedürftigen zulasten einer anderen gehen.

jsw/baj

 

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