Richtlinien aus "Amoris Laetitia" müssen sich an Lebenswirklichkeit orientieren

S. 74 und 155

S. 74 und 155

Richtlinien aus "Amoris Laetitia" müssen sich an Lebenswirklichkeit orientieren

Kirche/Familie

Das Papstschreiben "Amoris Laetitia" ist keine in sich geschlossene Handlungsanweisung, wie die katholische Kirche mit den Themen Familie, Ehe und gleichgeschlechtliche Partnerschaft umgehen soll. Darauf hat der Berliner Erzbischof und Familienbischof Heiner Koch am Freitag auf dem Katholikentag in Leipzig hingewiesen. "Das Schreiben ist ein Doppelpunkt, nicht das Ende des Weges."

Der Solinger Oberbürgermeister und Vorsitzender des Diözesanrates in Köln, Tim-Oliver Kurzbach (SPD), würdigte ebenfalls das Papstwort. Es sei für viele Katholiken ein Zeichen der Hoffnung. Jedoch warnte er, dass "viele da draußen es gar nicht mitbekommen", besonders diejenigen, die ihren Glauben nicht aktiv lebten. Kurzbach rief die Kirche dazu auf, eine verständliche Sprache, also "Klartext", zu sprechen.

Die Theologin Dorothea Sattler bewertete es als "wertvolle Fußnote", wiederverheiratete Geschiedene nicht grundsätzlich von der Eucharistie auszuschließen. Doch sie rügte, dass Gemeindemitglieder "abhängig sind vom pastoralen Feingefühl der Personen vor Ort". Hier brauche es Personal, das für solche Entscheidungen und Beratungen fachlich ausgebildet worden seien.

In ihrer Arbeit müsse sich die katholische Kirche auf die Lebenswirklichkeit der Menschen besinnen, sagte auch Koch. "Amoris Laetitia" setze Rahmenbedingungen, aber "wir sehen auch, dass es Biografien gibt, die wir damit zusammenbringen müssen". Vor allem in Bezug auf die Ehe müssten die individuellen Glaubenserfahrungen aufgegriffen und angesprochen werden. Die kirchliche Ehevorbereitung, wie sie aktuell stattfinde, sei eine "Schmalspurvorbereitung". Jedoch mahnte er, sie nicht "zu einem Diplom werden zu lassen". Zudem sei es wichtig, Wert auf eine gute Ehebegleitung zu legen.

Mit Blick auf homosexuelle Christen sagte Koch, dass sie eine "doppelte Isolierung" erfahren würden: Einerseits fühlten sie sich von der Kirche ausgeschlossen, andererseits begegnete ihnen in der eigenen Community Skepsis aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. "Das zerreißt, und da müssen wir am Ball bleiben", betonte Koch.

rst/baj

 

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