Marx: Christen sollen sich an Debatten über ein gerechteres Wirtschaftssystem beteiligen

S. 67

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Marx: Christen sollen sich an Debatten über ein gerechteres Wirtschaftssystem beteiligen

Gesellschaft/Wirtschaft/Umwelt

Vertreter von Politik, Kirchen und Wissenschaft haben sich beim Leipziger Katholikentag für eine Wirtschaft ausgesprochen, die stärker ihre Folgen für Gemeingüter, Gesellschaften und Umwelt einberechnet. "Die zentrale Zukunftsfrage ist, wie wir Wirtschaftsmodelle finden, die ohne die Ausbeutung von ökologischen Ressourcen und Humankapital auskommt", sagte der Berliner Klimaforscher Ottmar Edenhofer am Freitag. Wichtig sei es, die tatsächlichen ökologischen und sozialen Kosten bei allen Produkten offen zu legen und einzupreisen. "Wir dürfen notwendige Zukunftsinvestitionen nicht länger als zu minimierende Kosten denunzieren." Unverzichtbar sei eine neue Debatte um Verteilungsgerechtigkeit. "Dazu wird auch eine Umverteilung von Reichtum und Vermögen gehören."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief die Christen auf, sich an den notwendigen Debatten für ein gerechteres Wirtschaftssystem zu beteiligen. Dabei könne die Enzyklika von Papst Franziskus ein wichtiger Ausgangspunkt sein. "'Laudato si' ist wie kein päpstliches Lehrschreiben zuvor weltweit mit großer Offenheit aufgenommen worden, nun gilt es aber, die Anstöße für eine neue gemeinsame Verantwortung für das gemeinsame Haus unserer Erde auch in konkretes Handeln umzusetzen."

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) betonte, Deutschland habe in den vergangenen Jahrzehnten viel in eine umweltschonendere Wirtschaft investiert. "Wir haben erkannt, dass ein Wachstum mit rauchenden Schloten unseren Planeten aus dem Gleichgewicht bringt." Er appellierte, durch internationale Abkommen, bessere ökologische und soziale Wirtschaftsstandards festzuschreiben.

Der Wiener Politikwissenschaftler Ulrich Brand kritisierte, Deutschland habe "dreckige Industriezweige" ins Ausland ausgelagert. "Die Vorprodukte deutscher Konzerne kommen aus China oder dem Amazonas." Eindringlich wandte er sich gegen die These vom sauberen Elektroauto. "Wir müssen den Nahverkehr stärken und nicht auf eine Massenproduktion von Elektrofahrzeugen setzen." Bei der Herstellung von batteriebetriebenen Autos würden unverantwortlich viele Ressourcen verbraucht.

 has/baj

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