Würde und Wahrheit: Wenn Juden, Christen und Muslime streiten sollen

Seite 123

Seite 123

Würde und Wahrheit: Wenn Juden, Christen und Muslime streiten sollen

Katholikentag/Religionen

Die drei monotheistischen Weltreligionen sind sich einig, dass alle Menschen gleichwertig sind und die Menschenwürde jederzeit gewahrt werden muss. Das ist das Ergebnis eines Religionsgesprächs am Freitag beim Katholikentag in Leipzig. Trotz dieser Einigkeit führten die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi (Hannover), der Berliner Rabbiner Andreas Nachama und der katholische Moraltheologe Rupert Scheule (Fulda) einen in Teilen spannenden und weiterführenden Dialog.

Nachama sagte, für das Judentum sei der Respekt vor dem jeweils anderen Menschen prägend. Im Koran ist nach den Worten von Mohagheghi von der Gleichwertigkeit die Rede, aber auch davon, dass der Mensch dazu neige, den anderen weniger wertzuschätzen. Scheule schilderte, vor kurzem habe es in Fulda Streit mit einer sunnitischen Moschee gegeben, die den Islam als einzigen Weg in die ewige Glückseligkeit sehe. "Ich kenne die Haltung, die dahinter steckt, als Katholik ganz genau."

Zu Beginn der als Streitgespräch angekündigten Podiumsrunde hatte Moderator Hanspeter Heinz vor zu viel Konsens gewarnt. "Es sind alle für Barmherzigkeit und gegen Gewalt, da können wir gleich wieder nach Hause gehen", sagte der Pastoraltheologe. Scheule sagte zum Thema Mission: "Wir können Religionen nicht vom Trip des Wahrheitsanspruchs abbringen." Nach Gelächter im Publikum und amüsierten Blicken von Mohagheghi und Nachama fügte er hinzu: "Versuchen Sie's. Sie gehen eher als Katholik hier raus als umgekehrt."

buc/cas

Diese Seite teilen