Juden und Christen in Musik und Gebet vereint

S.127

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Juden und Christen in Musik und Gebet vereint

Psalmen - gesungen und gesprochen - dazu noch Darbietungen von der Männerschola der Dresdner Kapellknaben. Auch beim Leipziger Katholikentag hielten Christen und Juden am Donnerstagabend an dieser langjährigen Tradition des gemeinsamen Gebets fest. Der Psalm 8,5 "Was ist das Menschlein, dass du sein gedenkst" über die Würde des von Gott einzigartig geschaffenen Menschen stand im Mittelpunkt der Auslegung und der Ansprachen vom früheren Erfurter Bischof Joachim Wanke und dem emeritierten Landesrabbiner Henry G. Brandt aus Augsburg. "Psalm 8 gehört zu den Worten der Bibel, die die Mitte der jüdisch-christlichen Gemeinsamkeiten benennen", betonte Wanke. Für Juden und Christen gelte es, im Zeichen von Menschenwürde und Versöhnung auf dem Weg der Verantwortung für eine humane Zukunft der Gesellschaft voranzukommen. Dabei seien das gemeinsame Gebet und die Meditation der beiden Religionen wichtige Hilfen.

Brandt korrigierte die Psalmübersetzung "des hochverehrten Martin Buber", mit der die Feier überschrieben war. Der Mensch sei gottgewollt, kein kleines Staubkorn im Universum. Er trete der Schöpfung mit Selbstachtung entgegen, erinnerte der Rabbiner. In seiner Ansprache ging er auch darauf ein, dass im Vatikan wieder neue Verhandlungen mit der traditionalistischen Piusbruderschaft aufgenommen worden seien. Das seit dem Konzil gewachsene Vertrauen und die Gemeinsamkeiten der Religionen sollten nicht gefährdet werden, warnte Brandt.

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte sich zuletzt kritisch dazu geäußert. "Das entschiedene Ja der katholischen Kirche zur Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnis zu den Juden - Nostra Aetate 4 -, dem die Piusbruderschaft ein entschiedenes Nein entgegen setzt, darf auf keinen Fall zur Disposition gestellt oder abgeschwächt werden", hieß es in einer Erklärung des Gesprächskreis "Juden und Christen" beim ZdK.

Als Erinnerung an das gemeinsame Gebet in Leipzig erhielt Küf Kaufmann von der Jüdischen Gemeinde Leipzig von ZdK-Präsident Thomas Sternberg eine Katholikentags-Kerze mit der Aufschrift "Friede für Jerusalem". Sie wird in der jüdischen Kultusgemeinde einen besonderen Platz finden. Besonders gestaltet war die Feier auch von der jüdischen Kantorin Avi Weinberg. Auf Hebräisch und Deutsch hatte sie gemeinsam mit Schriftstellerin Petra Kunik den Psalm über den Menschen gelesen.

uwl/baj

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