Wunsch nach mehr Akzeptanz bei einer Demenz-Erkrankung

S. 154

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Wunsch nach mehr Akzeptanz bei einer Demenz-Erkrankung

Gesellschaft/Krankheit

Für einen offeneren Umgang mit Demenz sprachen sich die Teilnehmer des Podiums "Bis zum letzen Atemzug" aus. Das Thema Demenz habe man auch politisch erst seit rund fünf Jahren speziell im Blick, räumte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ingrid Fischbach (CDU), am Donnerstag beim Katholikentag in Leipzig ein. "Wir sind da noch an den Anfängen und hängen ein bisschen hinterher."

Das Thema Tod und Lebensende etwa sei bei öffentlichen Veranstaltungen früher häufig nicht thematisiert worden, so Fischbach. Erst jetzt kämen Diskussionen auf. Dabei sei es wichtig, mit Menschen schon vor einer Erkrankung zu klären, etwa welche medizinische Behandlung sie sich am Lebensende wünschten.

Das sollte schon möglichst früh und mit vollem Verstand entschieden werden, forderte Fischbach und verwies auf die Patientenverfügung. Gebe es keine, so kämen Mediziner in schwierigen Fällen häufig in ein ethisches Dilemma. "Sie sitzen bei mir am Schreibtisch und sagen: Ihr müsst da was machen." Hier sei die Politik gefordert.

Die Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes, Gerda Graf, forderte, medizinisches Personal besser für den Umgang mit Demenz-Erkrankten zu schulen. Es brauche eine hohe Fachkompetenz, Konzepte und eine Haltung zum Umgang mit Menschen. So müssten in die Behandlung auch Logopäden und Ergotherapeuten eingebunden werden. Zugleich müsse im Mittelpunkt immer die Frage stehen, was der Patient gewollt hätte.

Brigitte Heeg, Tochter einer an Demenz erkrankten Mutter, sagte, dass sie als Angehörige vor allem Pfleger brauche, "die mit mir auf Augenhöhe reden und mich verstehen". Zudem sprach sie den Wunsch nach mehr gesellschaftlichem Verständnis für Angehörige aus. "Manchmal fühle ich mich nicht ganz erst genommen, wenn mir von anderen gesagt wird, dass es bei dieser Erkrankung doch auch schöne Momente gibt." Das Leben mit einer an Demenz erkrankten Person sei nicht einfach. Sie sei erleichtert, wenn ihre Mutter die Augen für immer schließen könne: "Ich möchte es ihr gönnen." Dass an Demenz Erkrankte bis zum Schluss Würde besitzten, sei für Heeg selbstverständlich. Dieser Meinung schlossen sich alle Teilnehmer an. 

rst/baj

 

 

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