Die heilende Kraft der Meditation

S. 83

S. 83

Die heilende Kraft der Meditation

Gesundheit/Meditation

"Meditation heilt!" - unter diesem Motto haben am Donnerstag auf dem 100. Katholikentag in Leipzig Wissenschaftler und Seelsorger über ihre positiven Erfahrungen berichtet. Die Wege dorthin seien unterschiedlich. Mal sind es eigene Krisen, mal die Suche nach theologischer Wahrheit oder die Frage danach, was Menschen glücklich macht.

So erzählte der Provinzial der österreichischen Jesuiten, Pater Bernhard Bürgler, dass es ihm in der Stille gelungen sei, erst die befreiende Leere und dann die Ordnung in seinem Leben zu finden. Der Psychoanalytiker habe in dieser Phase erlebt, dass sich für ihn eine Spalte in eine andere Wirklichkeit, in seine eigene Identität und die Gegenwart Gottes geöffnet habe.

Den Zusammenhang von körperlicher und seelischer Entwicklung betonte der evangelische Pfarrer Rüdiger Maschwitz. Dabei seien Heilungsprozesse körperlicher Art durchaus möglich. Allerdings ließen sich somatische Wirkungen einer Meditation nicht kognitiv vorhersagen oder steuern.

Vielmehr sei es gerade die Absichtslosigkeit, die eine heilende Wirkung erziele, fügte der Neurowissenschaftler vom Leipziger Max-Planck-Institut, Boris Bornemann, hinzu. Die einzige Absicht, die zugrunde liegen dürfe, sei die, "ein gutes Leben führen zu wollen, dadurch dass ich mich besser kennenlerne", so der Wissenschaftler.

Sich und seine Abgründe kennen zu lernen, ist auch für Ingeborg Peng-Keller, Gestaltspsychotherapeutin aus Zürich, die Grundlage, Meditation heilsam wirken zu lassen. Gestützt werde die These der heilenden Wirkung einer absichtslosen Meditation von wissenschaftlichen Studien zu Lehren unterschiedlicher Traditionen. "In der Meditation steht der starke Wille im Wege", sagte Bornemann. Die Praktiken mögen unterschiedlich sein, die Basis der Absichtslosigkeit jedoch gleich.

bsc/baj

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