Bischof Feige: Erneuerung der Kirche notwendig

S. 276

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Bischof Feige: Erneuerung der Kirche notwendig

Kirche/Laien

Vor dem Hintergrund der sinkenden Zahl an Priestern hat der Magdeburger Bischof Gerhard Feige die Katholiken aufgerufen, mit Mut die Erneuerung ihrer Kirche anzugehen. Kirche sei nicht an bestimmte Verhältnisse gebunden, sondern könne auch unter schwierigsten Umständen ihrer Sendung gerecht werden, sagte er am Donnerstag auf dem 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig. Stetige Erneuerung sei sogar notwendig, um dem Evangelium weiter gerecht zu werden. Dazu gehöre auch die Einbeziehung von Laien in die Leitung von Pfarreien und Gemeinden. "Vor unseren Augen vergeht eine Gestalt von Kirche, die uns geprägt hat. Nur wenn wir diese Erfahrung nicht verdrängen, sondern Ja dazu sagen, kann daraus dann etwas Neues erwachsen."

Feige stellte auf der Podiumsdiskussion zum Thema "Laien in der Gemeindeleitung" bereits bestehende Modelle alternativer Gemeindeleitungen in seinem Bistum vor. Es gehe darum, auch in Zukunft bei sinkender Priesterzahl lebendige Kirche sein zu können. Zunächst habe er entschieden, keine weiteren Fusionen anzuordnen, sondern es bei den jetzt bestehenden 44 Pfarreien zu belassen. Auch die Einstellung ausländischer Priester sehe er als einen "Trugschluss" an, da das die Not nur oberflächlich abwende.

Im Mittelpunkt stehe im durch eine extreme Diasporasituation gekennzeichneten Bistum Magdeburg die Einbeziehung von Laien. Derzeit gebe es hier in zwei Pfarreien sogenannte VOlK-Teams (Vor Ort lebt Kirche-Teams). Diese kleinen Gruppen setzten sich dafür ein, dass die Gemeindemitglieder untereinander in Verbindung bleiben, Gottesdienste gefeiert werden und dass sich um bedürftige Menschen gekümmert wird. Darüber hinaus gebe es in einer weiteren Pfarrei, in der kein Priester mehr sei, sechs solcher VOlK-Teams. Von denen habe er eines nach Kirchenrecht mit der Leitung der Pfarrei beauftragt. Dies sei ein "Paradebeispiel" und Modell für die weitere Entwicklung, so Feige.

Die Notwendigkeit eines "Mentalitätswechsels" als Voraussetzung für ein Gelingen alternativer Pfarreienleitungen, betonte der Hallenser Pfarrer Magnus Koschig. Kirche sei nicht dort, wo es einen Pfarrer gebe, Kirche sei überall, wo zwei oder drei untereinander Gemeinde sind. Diese Sicht müsse auch Auswirkungen auf die Priesterausbildung und die Ausgestaltung des Priestertums haben, forderte Koschig. Auch dürfe gerne jeder Priester, "der das Charisma zur Leitung hat", eine Gemeinde leiten. Doch dürfe kein Priester, der dieses Charisma nicht besitze, zu Leitungsaufgaben gezwungen werden.

jsw/baj

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