Wenn Alt und Jung in die Städte gehen

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Wenn Alt und Jung in die Städte gehen

Katholikentag/Demografie

Ländliche Regionen in Deutschland brauchen nach Überzeugung von Politikern, Wohlfahrts- und Jugendverbänden eine ausgefeilte Strategie, um die Stadtflucht abzuwenden und jungen Menschen ein attraktives Lebensumfeld auf dem Land zu bieten.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte am Donnerstag auf dem Katholikentag in Leipzig, die ländlichen Regionen brauchten vor allem gut bezahlte Arbeitsplätze und eine verbesserte Infrastruktur. Nur wenn Breitbandanschluss, öffentlicher Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten und Gesundheitsvorsorge gegeben seien, können man für Jung und auch Alt das Land wieder attraktiv machen. Dabei sei es wichtig, auch die Kirche im Dorf zu lassen. Nach wie vor seien katholische oder evangelische Kirche wichtig für eine funktionierende Sozialstruktur in Städten und Dörfern.

Die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) warb dafür, die Identifikation Jugendlicher mit ihrer ländlichen Heimat zu erhalten. Gemeinsames Erleben und Identität seien die Schlüsselworte, damit junge Menschen nach Ausbildung oder Studium wieder in ihre angestammte Heimat zurückkehrten, sagte der KLJB-Diözesanvorsitzende im Bistum Erfurt, Benjamin Kutz. 

Die Bundesvorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung, Nicole Podlinski, sprach sich für eine politische und wirtschaftliche Förderung des ländlichen Raumes aus. Erhielten die Menschen die Chance, selbstständig zu entscheiden, was ihrem Dorf oder der Kleinstadt gut tue, wären viele Probleme zu bewältigen. Das bestätigte der frühere Bürgermeister von Eichstetten, Gerhard Kiechle. Dank einer am Ort ins Leben gerufenen Initiative für Betreutes Wohnen müssten die älteren Eichstetter ihre Heimat nicht mehr zwingend verlassen, berichtete er.

Einen Unterschied zwischen der Landflucht im Osten und im Westen sieht der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Georg Cremer, nicht mehr. Dies sei in den 1990er Jahren sicherlich der Fall gewesen. Viele Unternehmen im Osten mussten ihre Betriebe schließen und die Jüngeren suchten im Westen nach Arbeit. Mittlerweile könne man aber ganz im Gegenteil einen Zuzug der Westdeutschen in den Osten bemerken. Ministerpräsident Woidke stimmte zu: "Die demografische Entwicklung, die wir jetzt im Osten haben, werden wir in wenigen Jahren in Westdeutschland haben", sagte er.

bsc/cas 

 

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