Nahles beklagt wachsende Schieflage bei Einkommen und Vermögen

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Nahles beklagt wachsende Schieflage bei Einkommen und Vermögen

Katholikentag/Soziales

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sieht in Deutschland eine sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich. "Die zunehmende Schieflage bei Vermögen und Einkommen bedroht die Grundfesten unserer Gesellschaft", sagte Nahles am Donnerstag beim Leipziger Katholikentag. Sie rief Vermögende und große Unternehmen in Deutschland auf, sich ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zu stellen. "Wir müssen unser Land zusammen halten."

Dabei verteidigte das Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken entschieden den deutschen Sozialstaat. Es sei zwar lobenswert, wenn Reiche wie Mark Zuckerberg oder Bill Gates Teile ihres Vermögens für soziale Zwecke spendeten. "Aber wir dürfen nicht Einzelnen die Entscheidung darüber überlassen, für welche sozialen Zwecke Gelder ausgegeben werden. Das muss immer demokratisch legitimiert sein."

Nahles forderte zudem, mehr für Bildungsgerechtigkeit zu tun. Die Chancen für eine gute Bildung eines Kindes dürften nicht länger von der finanziellen Situation der Eltern abhängig sein.

Mit Blick auf das kirchliche Arbeitsrecht schlug Nahles einen "gemeinsamen Sozialtarif" für kirchliche und nichtkirchliche Anbieter sozialer Dienstleistungen vor. "Das ist ein großes Projekt, an dem ich gerade arbeite", sagte die Ministerin. Erste Gespräche habe es bereits gegeben. Dabei wolle sie durchaus die kirchlichen Sonderrechte achten. Ein gemeinsamer Tarif für alle Anbieter sei aus ihrer Sicht ein wichtiges Instrument gegen schlechte Bezahlung und Lohndumping im Sozialbereich.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande rief die katholische Kirche zu mehr Transparenz im Umgang mit ihren Einnahmen und Vermögen auf. "Vielerorts ist es glücklicherweise nach dem Limburg-Skandal mit der Geheimniskrämerei vorbei", sagte Mitschke-Collande. Dennoch bleibe noch viel zu tun, etwa um in allen Bistümern von unabhängigen Finanzexperten geprüfte Bilanzen vorzulegen. "Und der nächste wichtige Schritt ist, gewählten Kirchenparlamenten das Budgetrecht für die kirchlichen Haushalte zu übertragen."

has/cas

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