Ein Kind um jeden Preis? Nein.

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Ein Kind um jeden Preis? Nein.

Medizin/Familie

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hat sich für strenge Regeln beim Embryonenschutz in Deutschland ausgesprochen. Befürworter einer Reform des geltenden Embryonenschutzgesetzes strebten eine starke Liberalisierung an, sagte Sternberg am Donnerstag in Leipzig. Es drohe ein Paradigmenwechsel hin zu einer Haltung, alles zu machen, was auch technisch möglich sei.

Die Eizellspende, die Erzeugung von überschüssigen Embryonen und die Leihmutterschaft sind in Deutschland bisher gesetzlich verboten. Etwa in der Schweiz und Großbritannien sind diese medizinischen Möglichkeiten jedoch erlaubt.

Zudem warnte Sternberg davor, die Möglichkeiten der Reagenzglasbefruchtung zu überschätzen. Die große Mehrheit der Frauen bleibe auch nach längerer Behandlung ohne Kind. "Dies führt zu psychischen Belastungen", sagte der ZdK-Präsident. So brauche es eine psychosoziale Beratung von Paaren, deren Kinderwunsch sich nicht erfülle.

Der Berliner Reproduktionsmediziner Heribert Kentenich sieht in seiner Arbeit die Chance, Paaren aus einer Krise herauszuhelfen. Ein Arzt müsse sich immer an der Situation der Paare orientieren, so der Mediziner. Zugleich forderte Kentenich eine finanzielle Unterstützung von unverheirateten Paaren, die Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen wollen. Dies würde der gegenwärtigen Situation in Ostdeutschland entgegenkommen, wo ein großer Teil der Paare unverheiratet zusammenlebe.

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner betonte mit Blick auf die geringe Geburtenrate in Deutschland: "Politik kann, wenn es um das Kinderkriegen geht, viel weniger tun, als man glaubt." Der Staat könne nur Anreize geben. Der Kinderwunsch bleibe immer eine persönliche Entscheidung. Klöckner warnte jedoch davor, die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin auszureizen. "Irgendwann muss man auch wissen, wann Schluss ist", so Klöckner. "Es gibt kein Recht auf ein Kind."

sdk/cas

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