Bildung als Mittel gegen Vermögensungleichheit

S. 210

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Bildung als Mittel gegen Vermögensungleichheit

Gesellschaft/Armut/Bildung

Vermögensungleichheit kann vor allem durch bessere Bildung beseitigt werden. Das ist ein Ergebnis des Podiums zum Thema "Der Graben wird tiefer. Wege aus wachsender Vermögensungleichheit" am Donnerstag in Leipzig. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sagte, die Bildung von Menschen sei besonders entscheidend für die Lebenssituation. Er habe festgestellt, dass Bildungsmangel und Armut "scheinbar vererbbar" sind. Vor allem kinderreiche Familien seien davon betroffen. Kritik übte der Erzbischof zugleich an dem Betrag, den Familien als staatliche Unterstützung erhielten. Dieser sei schlicht zu gering. Seiner Auffassung nach mussen künftig  "mehr Menschen partizipieren können", etwa in den Bereichen Gesundheit, Finanzen und Bildung.

Die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins erklärte, viele Menschen hätten die Tendenz, Aufstiegsgüter zu sichern. Dies geschehe etwa dadurch, indem Kinder aus bessergestelltem Hause in Schulen gingen, die in einem guten Stadtteil lägen oder konfessionell seien. Diese Einrichtungen genössen meist ein besseres Ansehen. Hier seien die Schulen gefordert, ihren Bildungsauftrag wahrzunehmen und auch die Schwächeren zu fördern.

Claudia Lücking-Michel (CSU) betonte, dass es bei der Arbeit gegen Bildungsungleichheit vor allem langfristige Lösung brauche. In Entwicklungsländern etwa dürfe nicht nur eine Schule gebaut werden. Vielmehr müsse auch für Lehrer gesorgt und darauf geachtet werden, dass Kinder tatsächlich Unterricht erhielten. Um dies umzusetzen, brauche es verlässliche Partner vor Ort.

Hier seien vor allem kirchliche Einrichtungen gut aufgestellt, versicherten Schick und Ernst von Freyberg, der bei den Maltesern engagiert ist. Die Hilfswerke kümmerten sich auch um kleinere Gruppen in armen Ländern. "Trotzdem müssen wir mehr tun", forderte der Erzbischof. Freyberg, der dem Aufsichtsrat der Traditionswerft Blohm + Voss Shipyards angehört, sagte, Armut liege meist an der Regierung. Seien etwa Diktatoren an der Macht, "können wir da gar nicht helfen". Schick widersprach und betonte, "dass man alles tun muss, um korrupten Regierungen das Handwerk zu legen". So dürften etwa Waffenlieferungen an solche Länder nicht mehr unterstützt werden. Zudem sei es wichtig, dass man "selbst bei guten Regierungen die Zivilgesellschaft fördern sollte", um die Ziele zu erreichen.

rst/baj

 

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