Pax Christi gegen Militarisierung der Außenpolitik

Seite 209

Seite 209

Pax Christi gegen Militarisierung der Außenpolitik

Kirche/Militär

Der Präsident der internationalen katholischen Friedensorganisation Pax Christi, der südafrikanische Bischof Kevin Dowling, hat sich gegen eine Militarisierung der westlichen Außenpolitik gewandt. "Konfliktforscher können eindeutig beweisen, dass gewaltlose Widerstandsstrategien und eine Aktivierung der Zivilbevölkerung doppelt so erfolgreich wie militärische Interventionen sind, um Kriege zu beenden und mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit zu erreichen", sagte Dowling am Donnerstag beim Leipziger Katholikentag. "Dabei sind wir keineswegs naiv. Denn wir wissen sehr wohl, dass in vielen Fällen auch militärisches Eingreifen notwendig sein kann, um die Bevölkerung zu schützen. Aber viel zu oft blendet die Politik Strategien der gewaltlosen Konfliktbefriedung aus." Ein Schlüssel sei die wirtschaftliche Entwicklung armer Staaten.

Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen verteidigte dagegen die Grundlinien der deutschen Außenpolitik, etwa im Blick auf Syrien. "Das Militärische bildet doch nur den kleinsten Teil unserer Politik. Für die Syrienflüchtlinge zahlt Deutschland beispielsweise fast die Hälfte des Etats des Welternährungsprogramms." Gleichzeitig sei Deutschland ein wichtiger Akteur, um alle Kriegsparteien an den Verhandlungstisch zu bringen und so eine Lösung des Syrienkonflikts zu erreichen.

Die Friedens- und Konflitkforscherin Corinna Hauswedell forderte dagegen, Deutschland müsse auf jedes militärische Eingreifen verzichten. "Wenn deutsche Außenpolitik mehr Verantwortung als internationaler Vermittler in Krisen übernehmen will, dann ist jede militärische Intervention kontraproduktiv." Seit Beginn des von den USA ausgerufenen Kriegs gegen den Terrorismus sei immer wieder deutlich geworden, dass militärische Interventionen Konflikte langfristig nicht gelöst, sondern im Gegenteil Auseinandersetzungen angeheizt hätten. "Und damit auch erst die Ursachen dafür geschaffen haben, dass so viele Menschen heute zur Flucht gezwungen werden."

ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann sprach sich für ein größeres deutsches Engagement in der Konfliktvorbeugung aus. "Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Politik sich hier oft sehr schwer tut und erst tätig wird, wenn Konflikte bereits eskaliert sind." Mit Blick auf die weltweiten Krisenherde könne Deutschland den enormen Herausforderungen niemals im Alleingang begegnen, mahnte Kortmann. Wichtig sei es, immer möglichst breite internationale Bündnisse zu bilden.

has/cas

Diese Seite teilen