Warum der Glaube zur Gesellschaft und der Islam zu Deutschland gehört

S. 65

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Warum der Glaube zur Gesellschaft und der Islam zu Deutschland gehört

Gesellschaft/Religion

Trotz weltanschaulicher Neutralität bietet das deutsche Grundgesetz nach den Worten von Bundesverfassungsrichter Johannes Masing ausreichende Entfaltungsmöglichkeiten für die Religionen. Sie sei aber keine "Durchgangsverfassung zur Herstellung eines christlichen oder anderweitig religiösen Staates", sagte er am Donnerstag beim Katholikentag in Leipzig. Freiheit, Recht und Gerechtigkeit seien säkulare Kategorien. "Das ist für manche Religionen schwer anzuerkennen", so der Freiburger Rechtswissenschaftler.

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte, Werte seien für eine demokratische Gesellschaft unverzichtbar. Jede Freiheit habe ihre Grenzen. Ihre Partei stehe hinter der grundgesetzlich verankerten Religionsfreiheit. Jeder Mensch in Deutschland sei geschützt, "seinen Glauben zu haben und ihn zu leben", so die Juristin und Politikerin. Die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, Nushin Atmaca, betonte, im islamischen Denken fänden sich auch Demokratie, Gerechtigkeit oder Umweltbewusstsein wieder.

Masing sprach mit Blick auf das islamische Kopftuch von einem "vielfältig interpretierbaren Symbol". Aus welchen Gründen und mit welcher Haltung das Kopftuch getragen werden könne, sei ganz verschieden. Der Jurist warnte vor extremistischen  Interpretationen des Symbols. Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Jahr entschieden, dass nicht jedes Kopftuch einer muslimischen Lehrerin automatisch den Schulfrieden gefährdet. Barley sagte, zu dem Thema gebe es unter den Sozialdemokraten unterschiedliche Positionen. Diese müssten innerhalb einer Volkspartei ausgetragen werden.

Der Direktor der Humanistischen Akademie in Berlin, Ralf Schöppner, warb für den nichtreligiösen Humanismus als "regulative Leitidee" für moderne pluralistische Gesellschaften. Er biete sich dafür "vielleicht eher als die Religionen"an. Er kritisierte eine "Diskriminierung von Konfessionsfreien in Deutschland". Die beiden christlichen Großkirchen würden privilegiert. Schöppner erklärte: "Grundsätzlich gehört der Islam zu Deutschland." Atmaca antwortete auf die Frage, wer den Islam vor radikalen Tendenzen müsse: "Die Muslime selbst." Der Kampf gegen Extremismus sei aber eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft.

buc/baj

 

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