Wissenschaftler warnen vor Selbstoptimierung des Menschen

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Wissenschaftler warnen vor Selbstoptimierung des Menschen

Katholikentag/Wissenschaft

Technikwissenschaftler und Theologen haben gemeinsam vor einem sorgenfreien Umgang mit selbstoptimierender Technologie gewarnt. Der Dresdner Technikphilosoph Bernhard Irrgang verwies am Donnerstag auf dem Katholikentag in Leipzig darauf, dass es zur Menschheitsgeschichte gehöre, seine Umwelt zu gestalten. Diese Fähigkeit sei in den vergangenen Jahrzehnten jedoch zur Last geworden. "Bisher hat sich der Mensch durch eigene Leistung gebildet, nun helfen ihm Technologien dabei", sagte Irrgang.

Der Bielefelder Neuroinformatiker Helge Ritter sagte, er könne die Angst vor technischen Eingriffen verstehen: "Alles Neue ist mit etwas Fremden verbunden." Vor allem die "Nebenwirkungen der Technologien" müssten beachtet werden. Es brauche eine "gut ausbalancierte Vorsicht", so Ritter.

Zugleich betonte der Stockholmer Jesuit Dominik Terstriep, dass es auch im Christentum eine Art Selbstoptimierung gebe. Diese sei jedoch auf das Jenseits ausgerichtet. "Es geht um Umkehr und Erneuerung", so Terstriep. Der Mensch sei kein "Mängelwesen", das optimiert werden müsse.

Die niederländische Kognitionswissenschaftlerin Saskia Nagel warnte vor Leistungsverbesserungen durch Medikamente. So werde immer öfter das Beruhigungsmittel Ritalin zur Konzentrationsteigerung verschrieben. "Hier steht der Wunsch nach Verbesserung über den Gefahren", mahnte Nagel.

sdk/cas

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