Kirche - mitten in der City

S. 31

Kirche/Gesellschaft/Kunst

Die Menschen kommen am Hauptbahnhof an und erleben gleich die OFF CHURCH - dazu gehört die "Speakers Corner" neben anderen Installationen mit Kirchen-Inventar. Die Leute sind aber nicht mitten im Londoner Hyde-Park gelandet, sondern beim Katholikentag in Leipzig. Bis 29. Mai ist diese Erlebnis- und Kunst-Installation mit kirchlichen Alltag-Gegenständen bewusst in der City platziert. So ist die "Speakers Corner" des Künstlers Rico Schmitz eine mittelalterlich nachgebildete Messebau-Kanzel - ein modernes Podest am Bahnhof mit den Symbolen der Evangelisten und eins für aktuelle Botschaften auf dem Weg in die Messestadt.

"Trauen Sie sich, klettern Sie nach oben auf die Empore, rufen Sie am Willy-Brandt-Platz ihren Mitmenschen etwas Nettes zu", heißt es. So viel Freiraum wie im Hyde-Park, wo jeder auf dem berühmten Versammlungsplatz seine Meinung sagen darf, wünschen die Macher des 100.  Katholikentags den Gästen. Ein Freiraum für Dialog über Kunst, Kirche, Kultur und Begegnung soll hier entstehen. Ergänzt werden die OFF  CHURCH-Installationen außerhalb des Bahn-Umfelds durch einen historisch anmutenden, graffiti-bemalten Flügelaltar mit digitalen Touch-Paneels. Eine White-Box verspricht überraschende Erlebnisse und eine Riesen-Sitzbank Auszeiten. Per Kopfhörer lässt sich außerdem ein entspannender Sound mit Ben Beckers digitalen Bibel-Botschaften hören. Anderenorts wiederum soll ein Zelt zum Ort für das werden, was Menschen heilig ist. 

Warum "off the church" und mitten in der City? "Christen kennen Kirchen - manchmal auch zu gut und etwas festgelegt. Nicht-Christen sehen Gotteshäuser oft ganz einfach nicht. Sie fragen kaum, was in der Kirche passiert", sagt Andreas Hahn. Als Inhaber einer Veranstaltungsagentur steht er gemeinsam mit dem Bistum Dresden-Meißen für das Konzept von OFF CHURCH. "Für manche", ergänzt er, "ist eine Kirche Schutz, für andere ein unsichtbar trennendes, aber nicht immer  'rotes Tuch'." Es scheine vor Kirchentüren zu hängen und Gedanken der Menschen über einen Eintritt durchs Portal zu ersticken." Das will OFF CHURCH ändern. In der sächsischen Diaspora zähle, dass Christen wie Nichtchristen sich wirklich begegnen, so Hahn. Dazu wollen die OFF CHURCH-Installationen anregen. 

uwl/baj

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