Zukunftsmodell aus der Bibel

S. 347

Musik/Flüchtlinge

Beim Rock-Oratorium "Daniel" werden auf dem Katholikentag am Samstagabend in der Arena Leipzig auch Flüchtlinge mitwirken. Der deutsche Kirchenmusiker Thomas Gabriel hat das Stück zur Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt 1996 geschrieben. Es erzählt die biblische Geschichte des Daniel: eine Erzählung von Rettung und Bewahrung angesichts von Deportation, Intrigen, Gewalt und Unterdrückung. Chor, Solisten, Orchester und Band tragen zu dem modernen Stück bei.

Um die Geschichte aus dem Alten Testament in die Gegenwart zu übertragen, wirkt an der Inszenierung ein Chor aus Flüchtlingen aus dem hessischen Seligenstadt mit. Seit November nahmen die Asylbewerber an den Proben teil "und sind nicht mehr wegzudenken", so der Vorsitzende des Katholikentag-Arbeitskreises Kultur, Guido Erbrich. Denn die Erzählung sei nach wie vor aktuell. Daniel muss mit den Königen verhandeln, um einerseits im Exil die kulturelle Identität seines Volkes zu wahren und andererseits ein friedliches Miteinander zu entwickeln. "Da kommt vielleicht ein Zukunftsmodell aus dem Alten Testament", so Erbrich.

So etwa, wenn das Oratorium die Weigerung Daniels und seiner Getreuen schildert, die nicht bereit sind, eine von außen übergestülpte zweifelhafte (Ess-)"Kultur" zu übernehmen: "Rindfleisch, durch den Wolf gedreht, / Brot, das vor dem Biss zergeht, / Gurke, Ketchup, Käse drauf - / und nun mach den Mund schon auf..." und wenig später die Konsequenz kultureller Unterwerfung: "Man frisst sich leicht zum Knecht!"

sdk/cas

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