Von der Teestube zum Islamic Banking

Christlich-jüdischer Dialog /Der Islam auf dem Katholikentag - Programmseite 119

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Katholikentag/Islam

Leben ist Veränderung. Der 10. oder 20. Katholikentag und auch der 80. oder 90. hätten sich nicht träumen lassen, wie sehr die 100. Ausgabe vom interreligiösen Dialog bestimmt sein würde. Während der jüdisch-christliche Dialog bereits seit dem Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zum festen Bestandteil der Begegnungen gehört, gewinnt vor allem das Gespräch mit Islam-Vertretern deutlich an Terrain. 18 Seiten im 640 Seiten starken offiziellen Katholikentagsprogramm machen diese beiden Bereiche aus - das entspricht so etwa dem Bevölkerungsanteil von Muslimen und Juden in Deutschland.

"Miteinander im Dialog zu bleiben ist das beste Rezept, um Fremdenangst, Fundamentalismus und Gewalt zu vermeiden", sagte der jüngst emeritierte Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, bereits 1998 - noch bevor die Terroranschläge des 11. September 2001 und ihre Folgen ein neues Kapitel im Verhältnis der Weltregionen zueinander aufschlugen. Gerade im Osten Deutschlands und auch in der Katholikentags-Stadt Leipzig prallen - trotz einem noch vergleichsweise geringen Muslim-Anteil -  friedlicher Islam, eine kleine salafistische Minderheit und Fremdenangst in unterschiedlichen Ausprägungen (z. B. "Legida-Demonstrationen) immer wieder aufeinander.

Beim Katholikentag sollen in der direkten Begegnung, bei Podiumsdiskussionen und in sogenannten Werkstätten vor allem Fragen des Zusammenlebens von Juden, Christen und Muslimen in Deutschland sowie die gemeinsame Verantwortung für eine friedliche Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Der Berliner Rabbiner Walter Homolka, der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, der Soziologe und Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und der UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, Heiner Bielefeldt, gehören zu den Lead Acts dieses Themenbereichs.

Führungen in einer Leipziger Moschee, in der jüdischen Synagoge und in christlichen Kirchen der Stadt geben direkte Einblicke in das Leben der jeweils anderen Religionsgemeinschaften - und warum nicht auch für Konfessionslose? Diverse Filmvorführungen, Podiumsdiskussionen über Gewalt in den Weltregionen, über Religionsfreiheit als Menschenrecht und Veranstaltungen wie "Beerdigung und Tod im Islam" oder ein Workshop "Islamic Banking" werben um Verständnis. Ein schon traditioneller Höhepunkt des christlich-jüdischen Dialogs beim Katholikentag ist die gemeinsame Feier mit Vertretern beider Religionen am Donnerstagabend.

brg/cas

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