Stichwort Reformation

Stichwort Reformation

Katholikentag/Ökumene

Der Katholikentag in Leipzig blickt mit verschiedenen Veranstaltungen auch auf das 500-jährige Reformationsjubiläum im kommenden Jahr. Am 30. Oktober 1517, einen Tag vor Allerheiligen, soll der Augustinermönch Martin Luther (1483-1546) 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen haben.

In seinen Thesen kritisierte Luther zunächst die Ablasspraxis der Kirche. Seine Lehre von der Rechtfertigung des Menschen allein durch Gottes Gnade stellte auch die katholische Vorstellung von der Erlösung durch gute Werke und Gebet auf den Prüfstand. Dieser Konflikt löste weltweit Veränderungen aus, nicht nur in Kirche und Theologie, sondern auch in Musik, Kunst, Wirtschaft und Sozialem. Die Reformation, in ihren Anfängen eine rein religiöse Bewegung, entwickelte sich rasch zu einer europaweiten Revolution, die auch die Staatenwelt veränderte. In die Empörung über eine fortschreitende Verweltlichung der Kirche und den Machtmissbrauch Roms mischte sich auch die Kritik an den sozialen Missständen des ausgehenden Mittelalters.

Luthers Anliegen war die Wiederherstellung (Reformation) einer dem Evangelium gemäßeren Kirche. Zentrale Voraussetzung dafür war seine Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche. Der Protest des deutschen Mönches führte innerhalb weniger Jahrzehnte zur zweiten Trennung der abendländischen Christenheit. Zuvor hatten sich im elften Jahrhundert orthodoxe und römische Kirche getrennt. Als Ergebnis der Reformation im 16. Jahrhundert entstand die heutige weltweite evangelische Kirche.

Der Reformator und Humanist Philipp Melanchthon (1497-1560) war Autor der grundlegenden Schriften des Protestantismus, etwa des "Augsburgischen Bekenntnisses" von 1530. In der Schweiz wurde die religiöse Erneuerungsbewegung von Huldrych Zwingli und Johannes Calvin angestoßen; sie führte zur Gründung reformierter Kirchen. Hinzu kamen die radikal-reformatorischen Täufer. In England entstand die anglikanische Kirche. Die in der Folge der Erfindung des Buchdrucks rasch verbreiteten reformatorischen Schriften beriefen sich auf eine neue Gewissensfreiheit der Christen. Sie führten in der Folge europaweit zu heftigen Kämpfen für und gegen den neuen evangelischen Glauben. Im Augsburger Religionsfrieden wurde 1555 das protestantische Bekenntnis im Reich anerkannt.

Im Dreißigjährigen (1618-1648) eskalierte der Glaubenskonflikt in Deutschland. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurden auch die Reformierten als gleichberechtigt anerkannt. Heute bekennen sich von weltweit rund 1,8 Milliarden Christen etwa zwanzig Prozent zum evangelischen Glauben. In der Folge der Kirchenspaltung reformierte sich auch die katholische Kirche. Insbesondere durch das Konzil von Trient (1545-1563) erneuerte sie ihre Strukturen und ihre Glaubensverkündigung.

cas/baj  

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