Ringen um die ganz großen Fragen

Vorstellung des Themenbereichs "Dialog mit Wissenschaft und Recht“ – S. 137ff.

Katholikentag/Wissenschaft

Menschenwürdiges Sterben, Fluch und Segen der Reproduktionsmedizin, Herausforderungen der Flüchtlingskrise: Die rund 20 Veranstaltungen des Themenbereichs "Dialog mit Wissenschaft und Recht" packen aktuell vieldebattierte sowie ethisch umstrittene Zukunftsfragen an. Und wollen zugleich beweisen, dass Religion und katholische Kirche keineswegs den Austausch mit Natur- und Rechtswissenschaft scheuen, sondern vielmehr im Dialog wichtige Impulse geben wollen.

"Wir nehmen uns die Zeit, komplexe Zusammenhänge im Gespräch von Experten mit den Besuchern der Podien und Diskussionsrunden mit Tiefgang anzupacken", verspricht Programmplaner Raphael Thorak. Anregungen für die Diskussionsrunden kommen dabei auch direkt aus Leipzig mit seiner großen Universität und dem Sitz des Bundesverwaltungsgerichts.

Also diskutieren in den kommenden Tagen in der "Kongresshalle am Zoo" beispielsweise Theologen mit der medizinischen Leiterin der Organspendezentrale Eurotransplant über Reformbedarf bei den Regeln zur Organspende. Die bisherige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, trifft auf den Kieler Datenschützer Thilo Weichert, um über Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der digitalen Revolution in der Medizin zu debattieren. Philosophen und Theologen fragen nach den Wurzeln und Bedingungen der Menschenwürde. Für Zündstoff könnte die Veranstaltung zur Legitimation des Kirchenasyls sorgen.

Ausgehend vom Leitwort des Katholikentags "Seht, da ist der Mensch" will der Themenbereich zugleich dazu einladen, sich mit den Fragen am Lebensanfang und Lebensende zu beschäftigen. Wie gehen Hirnforscher oder Seelsorger mit alten, dementen Menschen um? Welchen Preis müssen Paare zahlen, wenn sie sich auf die neuen Technologien in der Reproduktionsmedizin einlassen?

Für Fans des emeritierten Papst Benedikt XVI. dürfte der Vortrag des Münsteraner Religionsphilosophen Klaus Müller über die "Vernünftigkeit des Glaubens bei Joseph Ratzinger" zum Pflichttermin des Leipziger Katholikentags werden. Der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, Klaus Rennert, empfiehlt dagegen, in der aufgeregten Flüchtlingsdebatte kurz innezuhalten, um über die Grundfragen der Gerechtigkeit im deutschen Asylverfahren nachzudenken. Der Themenbereich "Dialog von Kirche mit Wissenschaft und Recht" eröffnet ein breites Themenspektrum.

has/cas

Diese Seite teilen