Zur Person: Stefan Vesper

Zur Person: Stefan Vesper

Katholikentag/Leute

Stefan Vesper ist seit 1999 Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Der gebürtige Düsseldorfer war von 1987 bis 1995 und wieder von 1998 bis 1999 Pädagogischer Mitarbeiter am Katholisch-Sozialen Institut (KSI) der Erzdiözese Köln in Bad Honnef.

1992 promovierte er mit einer Arbeit zum Thema "Herausforderungen und Chancen katholisch-sozialer Erwachsenenbildung am Beispiel des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" im Fach Religionspädagogik/Erwachsenenbildung an der Universität Osnabrück/Vechta. 1996 und 1997 organisierte er im Auftrag des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) von Sankt Gallen aus die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung in Graz, an der Vertreter aller christlichen Kirchen Europas teilnahmen.

Ehrenamtlich engagiert sich Vesper in der Gemeinschaft katholischer Männer und Frauen (KMF) im Bund Neudeutschland. Außerdem ist er Mitglied der CDU und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung. Mit Blick auf die Kritik konservativer Kreise an Gremien und Verbänden in der katholischen Kirche Deutschlands betont der Generalsekretär, es sei eine alte katholische Tradition, dass sich Laien in Gemeinschaften organisierten, um sich am gesellschaftlichen und kirchlichen Leben zu beteiligen. "Gerade heute, wo die Menschen in einer Demokratie leben und es gewöhnt sind, mitzureden und mitzugestalten, kann man solche Beteiligungsformen nicht zurückdrehen. Im Gegenteil: Sie brauchen Respekt und Wertschätzung, sonst gehen die Menschen."

In der Diskussion um die katholische Lehre zu Ehe und Sexualität plädiert der Generalsekretär für Reformen. "Die Kirche muss sich doch im Bereich der Sexualmoral den Erkenntnissen der Humanwissenschaften stellen", sagte Vesper im Dezember in einem Interview der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt". "Wir wissen jetzt zum Beispiel, dass Homosexualität im Menschen angelegt ist. Das kann die Kirche doch nicht ignorieren." In einem Streitgespräch mit dem Passauer Bischof Stefan Oster plädierte Vesper für eine Segnung lesbischer und schwuler Paare. Auch in homosexuellen Partnerschaften würden Werte wie Treue und Verlässlichkeit gelebt. Aus dem gleichen Grund verdienten auch Paare, die unverheiratet zusammenleben oder in zweiter Ehe miteinander verheiratet sind, die Wertschätzung der Kirche.

Vesper sieht die Kirche in einem ständigen Lernprozess. Ihre Lehre sei nicht statisch. "Sie muss in jede Zeit und Kultur aufs Neue übersetzt werden." Zudem müsse die Lehre auch den Glaubenssinn der Menschen berücksichtigen und darauf reagieren, wenn etwa 95 Prozent der Jugendlichen ihre Sexualität nicht so lebten, wie die Kirche das vorsehe.

cas/baj

Diese Seite teilen