Kirche bei den Menschen

S. 271ff

Katholikentag/Seelsorge

Wie Kirche gestalten in einer immer säkularer werdenden Gesellschaft? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Themenbereich "Kirche bei den Menschen" auf dem Leipziger Katholikentag. Als zentralen Ort für die Podien und die vielen Werkstätten haben sich die Veranstalter die Kongresshalle am Zoo ausgesucht. Hier geht es um eine Neuorientierung in den Kirchengemeinden genauso wie den Religionsunterricht in Schulen und Gespräche mit Konfessionslosen. Ein besonderer Punkt bei diesem Katholikentag in Ostdeutschland ist das Thema Kirche in der DDR.

"Wir richten uns vor allem an diejenigen, die in ihren Gemeinden aktiv sind und nach neuen Anregungen für ihre Arbeit suchen", sagt Tobias Kläden, der diesen Themenbereich mit auf die Beine gestellt hat. Da gibt es etwa die Werkstatt "Hotline to Heaven", bei der sich Gemeindemitglieder in einer von immer weniger Priestern gekennzeichneten Kirche als Seelsorgeprofis zeigen sollen. Bei einer anderen Veranstaltung stellen Gemeindemitglieder Plattenbauprojekte vor. Auch der demografische Wandel ist Thema: So werden in einer Werkstatt "Wege zu demenzsensiblen Kirchengemeinden" aufgezeigt. Ein Leipziger Pfarrer erzählt von der "Vielfalt der Bestattungs- und Trauerkultur in Deutschland". 

Als "ostdeutscher Exportschlager" wird die religiöse Kinderwoche bezeichnet. Ihr widmet sich eine weitere Werkstatt. Die Kinderwoche hatte bereits in der DDR einen festen Platz in den Schulferien von katholischen Familien. Ein Ziel: Auch in der ostdeutschen Diaspora sollten die Kinder und Jugendlichen religiöse Gemeinschaft erfahren. Sie kamen für ein paar Tage in einer Begegnungsstätte zusammen, um sich mit einem religiösen Thema zu beschäftigen und viel Spaß bei gemeinsamen Gesprächen und Aktivitäten zu haben. Nach der Wende verschwand vieles, die religiöse Kinderwoche aber blieb und wurde auch in die westlichen Bistümer exportiert. 

Weitere "Exportschlager", die vorgestellt werden: die Feier der Lebenswende für Konfessionslose, die eine Alternative zur Jugendfeier suchen, die in Ostdeutschland auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der DDR weit verbreitet ist. Erstmals fand diese Lebenswende-Feier in den 90-er Jahren im Bistum Erfurt statt, das sich auch in den vergangenen Jahren als besonders kreativ für Modelle mit kirchenfernen Menschen erwies. So wird von dort mit dem "Erfurter Weihnachtsmarktprojekt" ein weiteres Angebot vorgestellt. Hier versuchen Katholiken mit den Besuchern eines Weihnachtsmarktes ins Gespräch zu kommen. "Im Trubel dem Stern folgen" heißt deshalb das Thema einer anderen Werkstatt. 

Auch um die DDR-Vergangenheit geht es in Leipzig: Jahrelang war dort der "kirchliche Aktionskreis Halle zwischen Amtskirche und Stasi" aktiv. Der frühere sächsische Minister und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, berichtet außerdem von der Pastoralsynode der katholischen Kirche von 1973 bis 1975, die weitgehend ohne Beachtung der westdeutschen Katholiken in der DDR stattfand.

Weiteres großes Thema ist die Übernahme von mehr und mehr Verantwortung durch Laien in den Kirchengemeinden: Hier erzählt bei einem Podium unter anderem der Magdeburger Bischof Gerhard Feige von Erfahrung, wenn "Laien in Gemeindeleitung" vertreten sind. Der Generalsekretär des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken, Georg Austen, kennt die Erfahrungen der Kirche dazu in Schweden und wird in einem anderen Podium einen Impuls abgeben.

buc/cas 

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