Leipzig - Stadt auf der Kreuzung

Kurzporträt Leipzig

Kurzporträt Leipzig

Leipzig - Stadt auf der Kreuzung

Katholikentag/Geschichte/

Von Regensburg nach Leipzig sind es nicht mehr als 259 Kilometer Luftlinie. Dennoch ist die Luftveränderung vom 99. zum 100. Katholikentag erheblich. Regensburg – das ist noch beschauliches volkskirchliches Milieu. Von den derzeit 562.000 Leipzigern ist dagegen nur etwa jeder 25. katholisch; nur 20 Prozent erklären sich überhaupt für religiös. Eine alte Großstadt mit jungen Menschen und einem frisch gebackenen Fußballbundesliga-Club: ein guter Ort, um den gesellschaftlichen Realitäten im Deutschland des frühen 21. Jahrhunderts ins Auge zu sehen.

Leipzig und Kirche: Da kommen zuerst Johann Sebastian Bach und der berühmte Thomaner-Chor in den Sinn. Und natürlich die Friedensgebete der 1980er Jahre in der evangelischen Nikolaikirche. Sie waren der geistige Ursprung der Montagsdemonstrationen von 1989, ein Sargnagel für das SED-Regime und letztlich den Staat DDR (1949-1990)

Die zweitgrößte Stadt der früheren DDR hat im 20. Jahrhundert nicht nur konfessionell Schäden davongetragen. Im Zweiten Weltkrieg wurden wesentliche Teile der Altstadt durch Bombardierung vernichtet. Neben erhaltener und aufwendig sanierter historischer Bausubstanz sprechen, bis heute weitgehend unverbunden, sozialistische Bauriegel von der Not und dem Gestaltungswillen der Wiederaufbauzeit.

Leipzig, erstmals urkundlich erwähnt vor 1.001 Jahren, verdankt seinen wirtschaftlichen Aufstieg seiner günstigen Lage an der Kreuzung internationaler Handelswege. Sein Messeprivileg sorgte im Mittelalter für Wohlstand. Prägend bis heute ist auch die Rivalität zwischen Dresden und Leipzig um den Vorrang in Sachsen.

Die soziale Lage im heutigen Leipzig fällt gut 25 Jahre nach der Wende gemischt aus. Nach dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft bemühte sich die Stadt mit einigem Erfolg um die Ansiedlung großer Industrieunternehmen. Mit Playern wie Amazon und DHL profiliert sie sich als moderner Logistikstandort. Die Stadt ist angesagt, ein Magnet für Künstler und Kreative; die 600 Jahre alte Traditions-Uni mitten im Zentrum hat derzeit 28.000 Studenten. Zugleich fehlt es allzu vielen Leipzigern deutlich an Kaufkraft. Etwa ein Viertel der Bevölkerung lebt statistisch unterhalb der Armutsgrenze – eine große Aufgabe auch für die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie.

Die Zahl der Muslime in Leipzig ist von etwa 500 im Jahr 2003 auf derzeit rund 10.000 gestiegen. Das sind weniger als zwei Prozent der Gesamtbevölkerung und damit noch deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt (ca. fünf Prozent). Darunter sind allerdings auch Salafisten. Der vergleichsweise kleinen ausländerfeindlichen „Legida“-Bewegung gelingt es immer wieder, für Aufsehen zu sorgen.

brg/cas

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