"Leben mit und ohne Gott"

S. 293ff

Kirche/Gesellschaft

Glauben und sein Gegenteil: Beim 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig spielt das Thema einer sich zunehmend säkularisierenden Gesellschaft eine wichtige Rolle. Im Osten Deutschlands sind die Christen längst in der Minderheit, in Leipzig selbst gehört nur etwa jeder sechste Bewohner der evangelischen oder katholischen Kirche an. Im Themenbereich "Leben mit und ohne Gott" bietet der Katholikentag eine Reihe von Podiumsdiskussionen, Werkstattgesprächen, Führungen und Ausstellungen - und begibt sich damit an viele spannende Schnittstellen im Gespräch von Christen, Atheisten und Agnostikern.

Am zentralen Podiumsgespräch des Themenbereichs nehmen am Donnerstag unter dem Leitwort "Ich glaub' nichts, mir fehlt nichts" neben anderen Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), der evangelischer Christ ist, sowie der Präsident des Bundesverbandes Jugendweihe, Konny G. Neumann, teil. Weitere Diskussionsrunden widmen sich zum Beispiel dem designten Menschen des 21. Jahrhunderts ("Cyborgs und Barbies"), der Laizität als Verheißung oder Schreckensbild oder der Bedeutung öffentlicher Rituale in der Gesellschaft.

Über die Frage, ob Werte Religion benötigen, sprechen bei einem Podium am Samstag der Berliner Soziologe Hans Joas sowie der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Eine Reihe weiterer Veranstaltungen versucht, Brücken zwischen Christen und Nichtchristen zu bauen, etwa das Gespräch "Mensch: Prädikat WERTvoll?!" oder die Werkstatt "Ich bin normal - ich bin Atheistin", bei der die Karmeliterin und Märtyrerin Edith Stein vorgestellt wird. Weitere Veranstaltungen behandeln am Freitag und Samstag den gesellschaftlichen Zusammenhalt angesichts Legida und Pegida. Daran nimmt auch die frühere sächsische Landtagsabgeordnete Antje Hermenau (Grüne) teil.

Der Themenbereich versucht nach den Worten von Jesuitenpater Hermann Kügler "die Chance zu nutzen, in den Dialog mit einer Öffentlichkeit zu treten, die zu 80 Prozent religions- und konfessionsfern ist". Kügler, Leiter der Leipziger Kontaktstelle für Lebens- und Glaubensfragen, gehörte der Vorbereitungsgruppe zu "Leben mit und ohne Gott" an. Viele der Veranstaltungen fänden an einem "neutralen Ort" statt, unterstreicht er - in der Leipziger Stadtbibliothek. Und der Eintritt ist grundsätzlich frei. Denn von Kirchenfernen, Agnostikern oder Atheisten noch Geld zu verlangen, um ins Gespräch zu kommen, ergäbe wenig Sinn.

Viele weitere Angebote ergänzen das Programm des Themenbereichs. Eine theatrale Installation mit dem Titel "Wer(s) glaubt, wird selig" geht der Frage nach, woran Atheisten eigentlich glauben. Vorgesehen sind ein Besuch im örtlichen Gefängnis sowie ein Pilgerweg durch die Stadt. Eine ganz besondere Veranstaltung steht schließlich am Samstagabend an: Die Bischöfe Wolfgang Ipholt (Görlitz) und Stefan Oster (Passau) bitten zu "Theologie an der Theke". Ort des Kneipengesprächs über Gott und die Welt ist Morisson's Irish Pub.


buc/baj

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