Katholikentag und Ökumene

S. 307ff

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Katholikentag und Ökumene

Katholikentag/Ökumene

Ohne das Zusammenwirken der Konfessionen hat der christliche Glaube keine Zukunft. Dieser Erkenntnis trägt der 100. Deutsche Katholikentag in Leipzig mit einem umfangreichen ökumenischen Programm Rechnung. Auch die Spitzen der Kirchen in Deutschland, Bischofskonferenz-Vorsitzender Kardinal Reinhard Marx, EKD-Ratschef Heinrich Bedford-Strohm sowie Metropolit Augoustinos, werden in der Messestadt erwartet. Bei den Podien, Foren und Workshops werden strittige Fragen nicht ausgespart, etwa Papstamt, gemeinsames Abendmahl oder Ehe und Familie.

In Leipzig ist das Verhältnis der Konfessionen seit Jahrzehnten eng und vertrauensvoll. Ehe die katholische Propsteigemeinde ihr repräsentatives Gotteshaus im Zentrum der Stadt einweihte, hatte ihr die evangelische Nikolaikirche regelmäßig "Asyl" für Messfeiern geboten. Für die neue katholische Kirche veranstalteten die Protestanten gar eine Kollekte. Beim Katholikentag öffnen viele evangelische Gemeinden ihre Pforten, stellen Veranstaltungsräume zur Verfügung, bieten Privatbetten für Gäste. Das Christentreffen in Leipzig ist zu einer evangelischen Herzenssache geworden.

Nicht nur deshalb soll die Ökumene bei den Veranstaltungen in der Messestadt ein besonderes Gewicht haben. Generalsekretär Stefan Vesper vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das das Treffen mitorganisiert, begründete dies jüngst in einem Mediengespräch auch mit der Minderheitensituation der Christen in der Region. Nur einer von sechs Leipzigern gehört einer Kirche an. "Sie fragen nicht, bist du katholisch oder evangelisch, sondern: Was glauben Christen?", so Vesper. Vor allem mit diesen will der Katholikentag ins Gespräch kommen - und zeigen, was die Gläubigen verbindet.

Die theologisch ins Stocken geratene Ökumene ist ein Jahr vor dem Reformationsgedenken 2017 ein wichtiges Thema in Leipzig. So will Bundestagspräsident und Katholik Norbert Lammert bei einem Podiumsgespräch darlegen, warum die Ökumene nicht am Ende ist. Prominente evangelische Gäste bei dem Christentreffen sind neben vielen kirchlichen Würdenträgern auch Bundespräsident Joachim Gauck, die Bundesminister Thomas de Maiziere und Hermann Gröhe (beide CDU) sowie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

Der zentrale ökumenische Gottesdienst des Katholikentags findet am Freitag in der Nikolaikirche statt, die als Ort der friedlichen DDR-Revolution von 1989 weltberühmt geworden ist. EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm äußert sich in Leipzig zur Aktualität des Reformators Martin Luther (1483-1546) und nimmt am Samstag gemeinsam mit Marx an der "Leipziger Disputation" teil . Dabei diskutieren sie über "Recht-Gerechtigkeit-Rechtfertigung". Die Veranstaltung aus Anlass des Katholikentags erinnert an das berühmte Leipziger Streitgespräch von 1519 zwischen Luther und Johann Eck.

buc/baj

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