Kultur liegt in der Katholikentagsluft

S. 321 ff

Kultur/Musik/Literatur

In der Bücherstadt Leipzig wartet der 100. Deutsche Katholikentag mit einem breiten Kulturprogramm auf. Etwa 300 der rund 1.000 Veranstaltungen drehen sich um Musik, Literatur, bildende Kunst, Film, Theater und Kabarett. "Wir hoffen, dass viele Leipziger so über die Kultur auch Katholikentagsluft schnuppern", erklärte der Vorsitzende des zuständigen Arbeitskreises, Guido Erbrich, im Vorfeld.

Zu den Highlights zählt die Uraufführung des Oratoriums "Ecce homo" (Seht, da ist der Mensch) des englischen Komponisten Sir Colin Mawby. Das sakrale Auftragswerk ist am Donnerstag in der Nikolaikirche unter Beteiligung mehrerer internationaler Chöre zu hören. Die aktuelle Flüchtlingsthematik greift das Rock-Oratorium "Daniel" von Thomas Gabriels und Eugen Eckerts auf. An der Inszenierung der alttestamentarischen Geschichte wirken auch Asylbewerber mit. Letztmalig beim Katholikentag findet das inzwischen schon fast traditionelle Konzert der A-Capella-Band "Wise Guys" statt. Die Gruppe hat ihre Auflösung für das kommende Jahr angekündigt.

Einen bewusst regionalen Akzent setzen Musikerinnen und Musiker aus Leipzig und Mitteldeutschland, wie die Gruppe Stilbruch, der Thomanerchor, Gerhard Schöne, die Schola Cantorum Leipzig, die Dresdner Kapellknaben oder das Klezmer-Trio Rozhinkes.

Auch das Ausstellungsprogramm ist sehr umfangreich: In der Leipziger Baumwollspinnerei ist bereits seit dem 30. April die Ausstellung "Seht, da ist der Mensch" zu sehen. Zeitgenössische internationale Künstler haben das gleichnamige Motto des 100. Katholikentags in ihren Werken aufgegriffen. Das Museum der bildenden Künste zeigt seit Sonntag die Fotoschau "Credo - Kirche in der DDR" mit Schwarz-weiß-Fotografien aus den 1980er Jahren von Harald Kirschner.

In der Buchstadt Leipzig will der Katholikentag zudem einen literarischen Akzent setzen. So diskutieren die Schriftstellerin Ulla Hahn und Kardinal Karl Lehmann über Aufbrüche in Kirche und
Gesellschaft. Eine Lesung mit dem Präsidenten des PEN-Zentrums Deutschland, Josef Haslinger, thematisiert Flucht und Verfolgung. Der Träger des Deutschen Buchpreises 2015, Frank Witzel, diskutiert mit dem Berliner Schriftsteller Ingo Schulze über die Bedeutung von Religion und Glauben heute. Vor "Auerbachs Keller" in der Mädler-Passage finden Lesungen aus Goethes "Faust" statt. Da Leipzig als eine Hochburg des Poetry-Slam gilt, sind diverse Veranstaltungen dieser besonderen Form des Dichterwettstreits geplant, darunter ein "Predigtslam" im Zentralkabarett.

cas/baj

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