Stichwort: Geschichte der 100 Katholikentage

Geschichte der Katholikentage

Geschichte der Katholikentage

Stichwort: Geschichte der 100 Katholikentage

Kirche/Katholikentage/Geschichte

Die Geschichte der Katholikentage beginnt 1848. Ausgerechnet als Folge der deutschen Revolution beanspruchten auch die deutschen Katholiken bürgerliche Freiheiten: Versammlungs-, Vereins- und Pressefreiheit, Gewissens- und Religionsfreiheit. Am 23. März 1848 wurde in Mainz der "Pius-Verein für religiöse Freiheit" gegründet. Ein gutes halbes Jahr später tagte dort die erste Generalversammlung neugegründeter katholischer Vereine, die sich zum "Katholischen Verein Deutschlands" zusammenschlossen. Dieses Treffen ging als erster deutscher Katholikentag in die Geschichte ein.

Die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts standen im Zeichen des Kulturkampfs und der innerkirchlichen Auseinandersetzung um das vom Ersten Vatikanischen Konzil beschlossene Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes. Die Versammlung wies jede Kritik am Unfehlbarkeitsdogma "mit Abscheu" zurück.

Sowohl während des Deutsch-Französischen Krieges 1870 als auch im Umfeld des Ersten Weltkriegs - von 1914 bis 1920 - und während der gesamten Nazi-Zeit gab es keine Katholikentage. 1933 wurde das geplante Treffen im oberschlesischen Gleiwitz abgesagt, weil Ministerpräsident Hermann Göring eine "Treueerklärung" zu Führer und Reich zur Bedingung gemacht hatte. Erst 1948, drei Jahre nach dem Ende des Krieges, kamen Deutschlands Katholiken wieder in großem Rahmen zusammen - und 100 Jahre nach dem ersten Anstoß trafen sie sich erneut in Mainz.

Seit 1950 findet in der Regel alle zwei Jahre ein Katholikentag statt - im Wechsel mit evangelischen Kirchentagen und unterbrochen durch die beiden gemeinsamen Christentreffen, die Ökumenischen Kirchentage von 2003 in Berlin und 2010 in München. Bis heute gelten Katholikentage als "Fest der Begegnung" und als "Glaubenstage", aber auch als Zeitansage, Momentaufnahme und Spiegelbild der katholischen Kirche in Deutschland.

Seit Freiburg 1978 prägen insbesondere die Jugendlichen die Katholikentreffen - und die Begegnungen prägen die kirchliche Jugend. Es gab von innerkirchlichem Streit geprägte Katholikentage: Essen 1968 etwa galt - im Zeichen des Aufbruchs des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) und der Studentenunruhen - als turbulentester Katholikentag aller Zeiten. Es gab sogar Rücktrittsforderungen an den Papst, der kurz zuvor die Enzyklika "Humanae Vitae" über Sexualität, Pille und Verhütung veröffentlicht hatte.

In anderen Jahren kreisten die Treffen um politische Streitfragen: Friedensbewegung und Anti-Atom-Protest hatten in den 1980er Jahren auch bei Katholiken Hochkonjunktur. Dann dominierten die Folgen der deutschen Wiedervereinigung. 1990 fand das 90. Treffen in der noch geteilten Stadt Berlin statt. 1994 war Dresden Austragungsort und thematisierte die großen Herausforderungen der Einheit. Noch 2006 in Saarbrücken setzte man unter dem Motto "Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht" einen gesellschaftspolitischen Schwerpunkt.

Seither fokussieren sich die Treffen mehr aufs Innerkirchliche: "Du führst uns hinaus in Weite" lautete der optimistische Slogan in Osnabrück 2008, und mit dem Motto „Einen neuen Aufbruch wagen“ für Mannheim 2012 war die innerkirchliche Reformdebatte endgültig im Zentrum der Katholikentage angekommen. Auch in Regensburg 2014 ging es vielfach um die Folgen aus dem Missbrauchsskandal und aus der Limburger Affäre um Kirchenfinanzen und das Verhalten von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sowie die Zukunft der Pfarrgemeinden. Leipzig soll sich nun bewusst damit auseinandersetzen, wie Christen eine säkular gewordene Gesellschaft prägen können. Außerdem steht die Flüchtlings- und Integrationsfrage im Mittelpunkt.

cas/baj

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